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thumbs: Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 11)

EPHESOS, ÖSTERREICHS GRABUNGSSTÄTTE IN ANATOLIEN 
Von FRANZ MILTNER 
Etwa 70 km südlich der heute blühenden Hafenstadt Izmir 
(Smyrna) liegt das fast 4km erfüllende Ruinenfeld jener antiken 
Großstadt, deren seit alters weithin berühmter Tempel der ho- 
hen Artemis zu den sieben Weltwundern zählte. Diese Stadt, 
welche zu ihrer Blütezeit im 2. jahrh. n. Chr. eine halbe Million 
Einwohner, vielleicht sogar darüber gezählt haben mag, zu er- 
forschen, ihre wichtigsten Bauten und Denkmäler frcizulegen 
und die Geschichte dieser eigenartigen Stadt, die als griechische 
Kolonie etwa 1000 v. Chr. gegründet, bis zum Einbruch rder 
Seldschuken Ende des 13. jh. n. Chr. bestand, zu erkunden, hat 
das Österreichische Archäologische Institut 1896 begonnen. Na- 
turgemäß wurden die Arbeiten durch die beiden Weltkriege 
und ihre für Österreich besonders schweren Folgen unterbrochen. 
So konnte von 1896 - 1914 unter der Leitung von Prof. Rudolf 
stöckige Bühnenfassade wenigstens zeichnerisch wiederherstel- 
len. Hier in diesem Theater SplClIC sich die gewaltige, in der Apo- 
stelgesehichte so eindrucksvoll geschilderte Demonstration der 
Ephesier, welche um die Geltung ihrer Artemis bangtcn, gegen 
den ersten Predigtversueh des Apostels Paulus ab. Vom Theater 
führt nach Westen zum Hafen eine 600m lange Straße mit 11 m 
breiter Fahrbahn, beiderseits von je 5m tiefen Säulenhallcn b:- 
gleitct, welche nach dem Kaiser Arkadius, Arkadiane benannt 
wird, da sie in der Wiederherstellung durch diesen Kaiser uns 
erhalten blieb. Vom Theater führt nach Süden die zweite große 
Hauptstraße, wegen des vollständig erhaltenen Pflaslers aus 
schweren Marmorplatten, Mnrmorstraße benannt. An ihrer 
Westseite dehnt sich die Agora, der große Marktplatz, 120 m 
im Geviert messend, an allen vier Seiten von doppelten Säulen- 
Blick auf das ephesische 
Ruincnfeld, die österreichi- 
sche Grabungsstättc in Klein- 
asien. 
 
Heberdey, 1926 - 1935 unter jener von Prof. Dr. Josef Keil und 
seit 1954 unter der des Berichterstatters, gegraben werden. 
Wenn auch hier in erster Linie die Arbeiten und Ergebnisse der 
jüngsten Grabungsjahre vorgelegt werden sollen, so muß wenigv 
slens summarisch zunächst das in den vergangenen Perioden 
Erarbeitete dargestellt werden. 
Abgesehen von wenig ergiebigen Naehgrabungen an dem bis auf 
einen einzigen noch an Ort und Stelle verbliebenen Stein völlig 
zerstörten Artemistempel, wandte sich das Hauptinteresse der 
Ausgräber zunächst dem weiten Ruinenfeld der Hafenebene zu, 
welche im Süden vom Bülbüldag (Nachtigallenbcrg), im Osten 
vom Panayirdag (Festesberg) umrahmt wird. Eines der ersten 
Objekte bildete das in den Hang des Panayirdag gebettete große 
Theater mit seinem in drei Rängen emporsteigenden Zuschauer- 
raum, der einst etwa 25.000 Menschen Platz bot; auch das Büh- 
nengebäude wurde freigelegt und aus den aufgefundenen Resten 
ließ sich die mit einer überreichen Architektur geschmückte, drei- 
hallen umrahmt, hinter denen die Gewölbe der Kaufleute und 
Händler angeordnet sind. Man wird sich Leben und Treiben auf 
diesem Mnrkte, auf dem die feinsten Gewebe, die duftendsten 
Gewürze des nahen Orients, die schönsten Mädchen aus aller 
Herren Länder feilgeboten wurden, wo Gold- und Silberschmiede 
die Erzeugnisse ihrer Werkstatt verkauften, die Geldwechsler 
ihr gericbenes Handwerk trieben, nicht bunt, nicht laut genug 
vorstellen können. Doch zwischen den Säulenhnllen standen Hun- 
derte von Statuen verdienter Beamter des Reiches und der Stadt, 
hoheitsvoller Priesterinnen und würdiger, um die Öffentlichkeit 
verdienter Matronen. Handelsplatz und Ehrenhalle waren hier 
eine Einheit. 
Südlich des Marktplatzes konnte die Bibliothek mit dem Lese- 
saal und einer kunstvollen, vielfältig verkröpften Architektur 
und westlich ein riesiger Tempel des ägyptischen Gottes Serapis 
freigelegt werden. Neben diesen, zahlreiche Statuenfunde ge- 
währenden Gebäuden, beansprucht in Ephesos ein Bautypus be-
	        

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