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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 166)

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Art sind über ganz Italien verbreitet. Zu den besten und frühesten zu- 
gleich gehören die Chorstuhlfüllungen Baccio d'Agnolo.'s in S. Maria 
Novella zu Florenz. 
Gewiss, diese Scheidung der lntarsia nach verschiedenen Zweigen 
hat sich nicht durchwegs in ihrer Schroifheit erhalten, mit der Zeit sind 
mancherlei fremde Einflüsse massgebend geworden, die Grenzen haben 
sich theilweise verrückt, ebenso gewiss aber nur zum Schaden der Kunst. 
Es ist aber nothwendig auf die Anfänge zurückzugehen, will man den 
richtigen Standpunkt für die stilistische wie geschichtliche Würdigung 
gewinnen. Eine Eintheilung nach Gegenständen, wie sie auch Teirichf) 
nach dem Vorgange Burckhardfs annimmt, hat nur untergeordnete Bedeu- 
tung. Stillleben, Architekturen, Figurales stehen als Holzmalerei unter 
demselben Stilprincip, aber in entschiedenem Gegensatz zum eingelegten 
Ornament und zum Mosaik. 
Um wieder auf unsere lritarsiatafel zurückzukommen, so steht ihrer 
künstlerischen Vollendung die Ausführlichkeit der historischen Beglaubi- 
gung ebenbürtig zur Seite. Sie stammt von dem Stuhlwerk der Tauf- 
capelle des Doms von Siena. Der von Della Valle in seinen Lettere sanesi") 
citirte Landi gibt eine detaillirte Beschreibung dieser umfangreichen Holz- 
arbeit. Ueber einer Bank, die sich um die ganze Wand des runden Kuppel- 
raumes zieht, steigt die architektonisch gegliederte Lehne auf. Durch 
zwanzig cannelirte Pilaster, auf denen ein reich mit Schnitzwerk ver- 
sehenes Gebälke ruht, wird sie in 19 rechteckige, mit Intarsien ausgefüllte 
Felder getheilt. Das erste, rechts vom Eingang beginnend, zeigt einen 
geöffneten Schrank mit Zimmermannswerkzeugen, das zweite enthielt eben 
jene Tafel mit dem Selbstportrait Barili's. In der übrigen Reihe alterniren 
figurale und stilllebenartige Darstellungen. Auf dem zehnten oder-Mittel- 
feld, dem Eingang gegenüber, ist Johannes der Täufer abgebildet, auf 
dem vorletzten endlich findet sich unter Anderem ein aus einem Tinten- 
fass hervorstehender Zettel mit der Inschrift: Alberto Aringherio Operaio 
Fabre Factum. Es ist das derselbe Aringhieri, Rector des Domes, der 
unserm Künstler 1504 nach einer Schätzung, an der sich auch der be- 
rühmte lntarsiator Fra Giovanni da Verona betheiligte, 3990 Lire aus- 
zahlen liess. 
Die Taufcapelle wurde 1482 durch Giovanni di Stefano beendet 
und vom 16. Januar eben desselben Jahres stammt die von Milanesim) 
wiedergegebene Bestellungsurktinde für das Stuhlwerk. Darnach wird 
Barili gehalten, den Chor der Zeichnung und dem Modell entsprechend 
binnen zwei Jahren zu vollenden; für die gehabten Ausgaben sind ihm 
') Teil-ich, Ornamente aus der Blmhezait italienischer Renaissance (lntarsien). 
Wien 1873. ' 
") Dell: Valle, Letter: sanesi. Roms 1785. 
"') Milanesi, Documenti per In sloria dell' arte senese. vol. 3. Sicna (856.
	        
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