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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1867 / 23)

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Das Bessere ist der Feind des Guten, der Herr Referent wünscht dem Museum alles 
Gute, aber nur keinen Platz. 
Der Herr Referent sagt weiter, der Gemeinderath wird Alles beitragen, wird das- 
selbe unterstützen, wo er nur kann, aber das Museum soll sich um einen Platz selbst 
umsehen. 
Nun werden Sie mir erlauben, dass ich den Standpunkt der Industriellen einnehme. 
Der Herr Referent hat recht, wenn er von seinem Standpunkte ausgeht, als Liebhaber des 
Parkes. Industrie und Gewerbe sind aber meiner Meinung nach mehr werth als der Park, 
denn wenn wir nicht früher wären, könnte der Park später nicht sein, denn der Steuer- 
triiger zahlt den Park. 
Ich sage Ihnen, dass das jetzige Museum, welches kaum drei Jahre besteht, so Er- 
freuliches geleistet hat, dass wir in der Pariser Ausstellung Leute haben, die sich durch 
Copiren von Modellen Medaillen erwarben. ' 
Wenn ich hier einige kleine Andeutungen gegeben habe, so möchte ich nur sagen, 
welche grosse Bedeutung ein Museum hat und haben muss. 
Heute sind wir an der Schwelle der Thiitigkeit angelangt, wo es mit gewissen 
Wissenschaften allein nicht mehr möglich ist, durchzudringen, wenn man nicht die ge- 
werbliche Wissenschaft als solche mehr ausbildet. Kunst und Industrie sind verwandt. 
Eines kann ohne das Andere nicht bestehen; wo wollen Sie heute einen Gewerbsschiiler 
Modelle verzeichnen lehren? Alle Hochachtung vor den Gewerbsschulen, die sehr primitiv 
sind, das Museum hat einen Anlauf genommen und es sind 600-700 Schüler dort; wenn 
Sie sich Abends überzeugen wollen, wenn die Vorlesungen sind, so werden Sie sehen, 
dass die Leute im Hof stehen müssen. Ein Herr Versprecher hat gesagt, er wünscht das 
Beste für das Museum, aber ich sage Ihnen, wir werden es nicht erleben. Wir haben 
einen Anlauf fir zwei grosse Museen, es sind die Concurspliine ausgeschrieben, bis sie 
aber gebaut werden, werden einige von uns nicht mehr existiren. Ich will mich seinerzeit 
sehr gerne belehren lassen, dass ich Unrecht habe, aber beute ist es nicht der Fall. In 
Anbetracht, dass das jetzige Museum unserer Generation nicht mehr Fir die Zeit nützen 
könne, hat man geglaubt, das kleine Museum ausdehnen zu müssen. Se. Majestät hat für 
das Museum 30.000 d. für die Einrichtung, Fundirung etc. bewilligt; wenn man sagt, dass 
mit diesen geringen Mitteln alles fertig gemacht werden soll, so werden Sie mir zugeben, 
dass der Platz auch massgehend ist. Ein Herr Vorredner hat auf den Platz vor der Ka- 
serne hingewiesen; wenn dieser zu erlangen wäre, so würde ich mich dafür erklären, nur 
habe ich das Bedenken, dass die Kasernfrsge heute noch immer auf einem andern Stand- 
punkt steht, als die Museuinsfrage. Aber gegen den Platz vor dem Schottenthore muss 
ich mich aussprechen. Der Herr Referent ist nicht eingeweiht; die Fundamentirung auf 
diesem Platze ist die schlechteste von Wien, und es müsste gleich die Hälfte des Capitals 
in den Grund hineingesteckt werden. Ich weise die Herren nur auf den Bau der Oelzelt- 
schen Hlinser hin. Die Bemerkung, dass der Park beeinträchtigt wird durch die Her- 
stellung eines einstöckigeu Baues, nun, ich muss gestehen, ich kenne den Raum auch und 
ich glaube, er würde den Anforderungen, die wir an ein Museum fiir die 20 nächsten 
Jahre stellen, genügen. Nach 20 Jahren mögen unsere Nachkommen einen anderen 
schaden. Die Aussicht soll verbaut werden. Kann die Aussicht vielleicht etwas kriinken? 
Aber ich würde hier diesen Standpunkt nicht so sehr im Auge behalten, weil die Leute, 
die im Parke sind, im Park die Aussicht haben, und dann hätte man müssen Sorge tragen, 
dass die zwei fiinfstöckigen Hiiuser nicht hirigehaut worden wären; diese stören die Aus- 
sicht mehr, als ein oinstöckiges Hans, 
Vielleicht ist es nicht so, und ich würde einverstanden sein, wenn man ein Modell 
hiustellt, ob es wahr ist. 
Was die Bemerkung wegen der Pulverniederlage anbelangt, so müsste ich mich 
hautement dagegen verwahren. Es heisst immer die Industrie steht höher als das Pulver, 
und dass es dahin kommt, sollen wir Alle zusammenwirken; fir den Pulververschlciss 
wird man schon einen andern Platz finden; und wenn Sie ein Museum hinstellen, haben 
Sie etwas Besseres gethan. Die Commune Wien hat die Verptlichtung, die Sache zu 
unterstützen. 
Wir sind ja die Industrie. Wer ist die gewerbliche Thätigkeit, als die Commune 
Wien in indirecter Linie? 
Wenn es möglich ist, diesen Bauplatz zu erhalten, den der Herr Referent angetragen 
hat, vom Stubenthor links, - und ich glaube, es wäre zu erreichen, - dann sollten Sie 
nicht hindern, dass man dort ein Gebäude hinstellt, das mehr nützen kann, als die schönste 
Aussicht. Was niitzt die schönste Aussicht, wenn wir leere Taschen haben? Wir müssen 
verdienen, und ein grosser Factor zum Verdienen ist das Gewerbe. Die Concurrenz dringt 
von Aussen mächtig heran, suchen wir, dass wir stark werden, sonst könnte die Zeit 
kommen, wo es zu spät ist.
	        

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