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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XV (1880 / 173)

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zu den Seltenheiten. Auch Sempers Bemerkungen über die damalige Einwirkung

 der akademischen Künstler aufedie Kunstindustrie, über den

Mangel eines inneren Zusammenhanges zwischen Bestimmung eines Gegenstandes

 und dessen Ausschmückung, den Mangel an Rücksicht auf die

Natur des Stolles und die Technik und anderes mehr haben noch keineswegs

 alle Bedeutung für die Gegenwart eingebüsst.

Nach eingehender Besprechung der Ursachen des ungünstigen Standes

der Künste in England erklärt er sich mit Entschiedenheit gegen die Idee

reines künftigen Künstlerareopagsu und Vormundschaftsanstalten des _Volksgeschrnackes;

 viel besser, äussert er wiederholt, dass noch lange Zeit

geirrt werde, als dass das Volk sich des unveräusserlichen Rechtes begebe,

bei dem, was es bestellt oder kauft, dem eigenen Gefallen zu folgen.

Nur Gelegenheit müsse geboten werden zur Bildung des Volksgeschmaclrs

und zwar durch l. Sammlungen, 2. Vorträge, 3. Werkstätten, 4.. Wetteifer

 und Prämien. Sammlungen und öffentliche Monumente nennt er die

wahren Lehrer eines freien Volkes; man habe jedoch bisher nur gelehrte

Kunstsammlungen gegründet, die das Volk auf seinem dermaligen Standpunkte

 der Kunstbildung gar nicht verstehen könne, und deren Inhalt

auch den Kunstkennern oft unverständlich bleibe, da er zum Theil aus

Bruchstücken bestehe, die aus ihrem ursprünglichen Zusammenhange herausgerissen

 wdrden. Weit geeigneter zu Sammlungen seien solche Gegenstände

 der Kunst, die von Ursprung her keinem bestimmten Platze angehörten.

 An diesen müsse sich der Volksgeschmack erst wieder erholen,

weil sie das Früheste waren, woran sich der Kunstsinn des Menschen

bethiitigte. Er verlangt nun solche Sammlungen der keramischen Kunst

mit Einschluss der verwandten Glas-, Stein- und Metallwaaren, dann der

Textilkunst, der Holzarbeit, der Kunst des Maurers und des Ingenieurs;

jede dieser vier Abtheilungen nach einem zugleich historisch-ethnographischen

und technologischen Plan geordnet und verbunden durch eine Modellsamrnlung,

 in welcher der Zusammenhang der Industrie mit der Baukunst

und den übrigen Künsten studirt werden könnte. Die Vorträge hätten jene

Sammlungen zu erläutern und vor Allem die Lehre von den Stilerfordernissen

 und die Technologie zu behandeln. Für die l-Ieranbildung von

Künstlern und Kunsthandwerkern legt er den grössten Nachdruck auf den

Werkstattunterricht, verlangt namentlich, dass in den Zeichenschulen der

Zögling von Anfang an einsehen lerne, dass die Zeichnung in den meisten

Fällen Mittel zum Zwecke, nicht an sich Zweck ist. Das brüderliche Verhältniss

 desMeisters zu seinen Gesellen und Lehrlingen wird, so hellt er,

die Akademien und die Inclustrieschulen nach ihrer damaligen Einrichtung

in Wegfall bringen, Belohnungen und Auszeichnungen erwähnt er eigentlich

 nur, um auf deren bedenkliche Seiten hinzuweisen.

Den so in grossen VZügen entworfenen Plan führt Semper, wie

erwähnt, in der zweiten Arbeit wenigstens zum Theil im Einzelnen aus.

Dieselbe gliedert sich in drei Abschnitte: Ueber Sammlungen überhaupt,
            
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