v Karl Geyling. ,
Am 2. Jänner l. J. starb Karl Geyling in Wien im väterlichen
Hause, in welchem er am 23. Februar vor 66 Jahren das Licht der Welt
erblickt hatte. Mit ihm verlor die Glasmalerei-Anstalt Geylings in Wien,
welche sich eines weitverbreiteten und wohlverdienten Rufes erfreut, ihr
Oberhaupt und die führende Kraft. Wenn er auch nicht allen Anforderungen
gerecht wurde, welche man heutigen Tages an die weitverzweigten
künstlerischen und technischen Aufgaben der Glasmalerei stellt, so muss
man dem Talente, der Thatkraft und der Ausdauer des Künstlers volle Anerkennung
zollen, der es verstanden hat ohne alle staatliche Subvention
, in Mitte schwieriger äusserer Verhältnisse eine Anstalt für Glasmalerei
zu gründen und vier Jahrzehnte hindurch ehrenvoll zu führen.
Durch seinen Tod hat die Künstlerwelt Wiens einen grossen Verlust erlitten,
der umsomehr empfunden wird, als Karl Geyling eine durchaus
liebenswürdige Persönlichkeit war, mit der Jedermann gerne verkehrte. Er
stammt aus einer Künstlerfamilie; sein Vater war Hof -Zimmermaler und
starb 1819. Von den Söhnen wollte sich der älteste, Josef, der Historienmalerei
widrnen, musste aber, achtzehnjährig, die Akademie verlassen, um
nach dem Tode des Vaters das Geschäft desselben fortzusetzen und seine
Mutter und jüngeren Geschwister erhalten zu können. Karl Geyling, als der
jüngste Sohn, trat frühzeitig in die Akademie der bildenden Künste ein und
widmete sich daselbst der Landschaftsmalerei unter Führung des Professor
Mössmer, in seiner Neigung für die Landschaft unterstützt durch
seine Bekanntschaft mit dem Maler Stövesandt (geb. zu Danzig r8o8, gest.
daselbst 1838). Er erhielt an der Akademie drei Preise, darunter auch den
grossen Kaiserpreis; schon in jungen Jahren scheint er sich mit einschlägigen
technischen Versuchen beschäftigt zu haben; denn schon im Jahre 184.0
treffen wir Karl Geyling im Lustschloss zu Laxenburg beschäftigt Landschaften
auf Glas zu malen. Er verwendete damals als Bindemittel eine
Art enkaustischen Firnisses, der sich allerdings für die Länge nicht bewährte.
Um die Eigenthümlichkeiten der Geyling'schen Glasmalereitechnik,
bei welcher immer ein naturalistischer und altwienerischer, akademischer
Zug durchgeht, zu würdigen, muss man sich erinnern, dass es in damaligen
Zeiten keine Kunstgewerbeschule in Wien gegeben hat; die Stillehre und
die Ornamentenlehre waren damals unbekannte Gebiete. Erst durch Van der
Nüll und Siccardsburg kam an der Wiener Akademie das Ornament zur
Geltung. Wie ganz anders würde sich das Talent Geyling's entwickelt
haben, wenn es ihm schon in seinen Jugendjahren möglich gewesen wäre, sich
für grössere kunstgewerbliche Aufgaben vorzubilden, Einsicht in die Verbindung
der Decdration mit den Anforderungen des Baustiles zu gewinnen.
All seine Sehnsucht ging dahin Eintritt in die königl. Glasmalerei-Anstalt
in München zu erhalten, welche König Ludwig von Baiern geschaffen hatte.
Durch Fürst Metternich erhielt er ein Empfehlungsschreiben an die österreichische
Gesandtschaft in München, die ihm dies ermöglichen sollte. Doch