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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XV (1880 / 173)

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sie ein künstlerisches Ziel verfolgt. Dieses Ziel ist der Schmuck der Wohnung

 durch farbig decorirte Fenster. Die Richtigkeit dieses Zieles ist vielfach

 in Abrede gestellt worden, und Diejenigen, welche es thun, haben

die letzten Jahrhunderte für sich, welche die Sitte des Mittelalters und

des 16. Jahrhunderts völlig aufgegeben hatten. Je grösser die Scheibe, je

klarer das Glas - das war das Ideal, das einzig zu erstrebende Ziel.

Freilich, wenn man den Reiz der Wohnung darin sieht, dass man sich

die Welt durch das Fenster betrachten kann, dann liegt das Recht wohl

auf dieser Seite. Allein Andere suchen den Reiz der Wohnung in ihr

selber und nicht in dem, was ausserhalb ist, und in diesem Sinne nun

soll das farbig decorirte Fenster das Seinige beitragen, den Reiz, die

Wohnlichkeit, die Schönheit, die Poesie der Wohnung zu erhöhen, und 'das

muss geschehen, ohne dass der Helligkeit im Zimmer mehr Eintrag gegeschieht,

 als die Bestimmung des Gernaches es zulässt. Eine Anstalt, die

solche Ziele verfolgt, steht also vor einem Probleme, das durch praktische

Versuche gelöst werden muss. Solche Versuche zeigt nun die Weihnachts-Ausstellung

 aus der lnnsbrucker Anstalt in grosser Zahl und in grosser

Mannigfaltigkeit. Sechs der mächtigen Doppelfenster des Museums sind

damit gefüllt. Alle gehen gemeinsam auf farbig poetischen Reiz aus, die

einen in zarter Weise, die andern höchst eiectvoll; die einen fein ausgemalt

 in Art der feinsten Schweizer Arbeiten des 16. Jahrhunderts, die

anderen mit kräftiger Bleifassung technisch nach der musiviscben Weise

des früheren Mittelalters. Technisch sagen wir, denn die Idee, die Fenster

auf bläulich durchscheinendem Grunde mit bunten Vögeln und Schmetterlingen,

 mit glänzenden Blumen und goldenen Früchten, mit Ranken und

Laubzweigen in dieser musiviscben Art herzustellen, und zwar höchst

einfach, fast ohne alle Malerei, mit Hilfe von gefärbten Butzenscheiben,

das ist eine völlig neue, völlig moderne Idee. Andere fein ausgeführte

Bilder schliessen sich auch gegenständlich mehr an alte Art an, so die

Bilder mit den Landsknechten und die Bilder nach Virgil Solis. Ihre Bestimmung

 ist, als Mittelstücke in die geometrisch eingetheilte und mit

durchscheinendem, lichtem Glase ausgefüllte Fläche des Fensters eingesetzt

zu werden. Einige grosse Fenster, denjenigen des Museums angepasst,

zeigen die Anwendung in vollkommen gelungener Weise. Diese Art dürfte

für Speisezimmer, die im Wesentlichen ihr Licht behalten sollen, vollkommen

 geeignet sein. Andere wieder mit Portraitliguren aus dem Festzuge,

 von Butzenscheiben umrahmt, machen nicht minder glückliche Wirkung;

 andere mit zierlicher, aufsteigender Pilasterornamentation - wir

meinen diejenigen im Gianfschen Salon - erscheinen für Salonräume

bestimmt und geeignet. Kurzum, es liegt eine Fülle von Versuchen in

diesen Glasgemälden, eine Fülle von Gedanken, die uns zu vielen und

ausführlichen Betrachtungen Anlass geben könnten, wenn es hier in diesen

kurzen übersichtlichen Bemerkungen über die Weihnachts-Ausstellung des

Ortes wäre.
            
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