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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XV (1880 / 173)

muthig von jugendlichen Gestalten getragen werden. Es sind freie Schöpfungen

 der Laune, aber das Porzellan ist ein Material, das Capricen

duldet, wenn sie rnit Grazie vorgebracht sind. Diese Arbeiten von "Knoll

sowie diejenigen von Szolnay sind durch Ernst Wahliß ausgestellt, Proben

seines neuen, überaus sehenswürdigen Etablissements in der Kärntnerstrasse.

Sind die Bronzen gering vertreten, nur durch eine Collection von

Lux, durch die Ciselirschule des Museums sowie durch dasjenige, was

Hollenbach zu den Gemächern Giani's gesendet hat, so erscheinen

dagegen die Edelmetalle in reicher Entfaltung, sei es in Geräth, sei es in

Schmuck von Gold und Juwelen. Eine umfassende Collection nach beiden

Richtungen bietet Granichstädten und wie jedes Jahr V. Mayer's

Söhne. Unter den Arbeiten der letzteren Firma ragt eine reiche Tafelgarnitur

 hervor, Girandolen und Schalen von Figuren getragen, sowie vor

Allem eine von Storck componirte grosse Blumenschale von Silber, von

höchst freiem Wurfe der Erfindung, mit Fruchtgehängen in Hochrelief

kräftig und wirkungsvoll geziert. Eine ähnliche Tafelgarnitur wie jene bei

V. Mayer, nur etwas schwerer gehalten, mit Figuren von C. König,

bildet auch das Hauptstück der imposanten Ausstellung von Granichstädten,

 welche das ganze Gebiet der Gold- und Silberarbeit bis zum

Brillant- und Rubinschmucke umfasst. Wie es bei diesem kostbarsten aller

Kunstindustriezweige heute noch gar nicht anders sein kann, schliesst

sich Vieles in Form und Art an die Mode des Tages an, Manches aber

ist reizend auch aus rein künstlerischem Gesichtspunkte oder schlägt neue

Wege ein wie das kleine Theeservice in echter Tulaarbeit. Mit Vergnügen

sieht man diese feine Technik des Niello, während sie in Tula sinkt, zu

einem speciiisch österreichischen Industriezweige sich heranbilden. Zum

Beweise dafür dient auf der Weihnachts-Ausstellung die reiche Collection

von C. Lustig, welche noch mit dem Niello echte Tauschirarbeit, eingeschlagenes

 Gold und Silber verbindet. Wie bei Granichstädten zeigt

auch die gewählte und kostbare Collection von Juwelenschmuck bei

Alexander Köchen Mode und Kunst neben einander. Der Kunstfreund,

wenn er von dem materiellen Werthe der Gegenstände absieht, wird nicht

lange schwanken und den kleinen Schmuck nach Holbein nebst seinen

ähnlichen Nachbarn sich erwählen. Uebrigens haben Brillanten und Perlen

ihren eigenen Kunststyl und lassen sich nicht bloß nach der Zeichnung

heurtheilen wie etwa eine Arbeit in Gold. Sollen wir noch, einer technischen

 Neuigkeit erwähnen, so sei einiger kleiner Sehmuckgegenstände

mit verschiedenfarbigem Golde im Relief auf eigenthiimlich gearbeitetem

Grunde gedacht, welche in der Collection von Rein ers Erben ausgestellt

 sind. Sie sind durch Anregung zweier Schmuckarbeiten entstanden,

welche wir 1878 auf der Pariser Ausstellung von Tiifany in New-York

erwarben.

Wie in geschlossener Masse sind auch diesmal wieder die Damenarbeiten

 erschienen, Stickereien und Nadelspitzen, unter denen vor Allem

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