vorwiegend mit Rücksicht auf die Bedürfnisse der Mittelschulen Oesterreichs,
speciell der Realschulen, und steht mit der Zeitfrage der Renaissance
im modernen Kunstleben in enger Beziehung. Wenn ich die Forderungen
J. LangPs richtig beurtheile, so handelt es sich bei der Frage über die
humanistische Richtung im Zeichenunterrichte an Realschulen wesentlich
um folgende Punkte:
Erstens, um Einführung eines Unterrichtes in der Kunstlehre
mit einem entsprechenden Lehrapparate.
Zweitens, um eine Erweiterung des figuralen Zeichnens
durch Vermehrung des Lehrapparates und eine Verschiebung des Unterrichtsstolfes
im Zeichnen, speciell in den Oberclassen der Realschulen zu
Gunsten des figuralen Zeichnens.
Drittens, um größere Benützung der Formenwelt der
Natur, eventuell der Einführung des freien Landschaft- und Architekturzeichnens
in den genannten Schulen.
Das wären in erster Linie die Aufgaben, welche jetzt zu lösen
wären, wenn die humanistischen Tendenzen unserer Zeit im Zeichenunterrichte
in Realschulen zu voller Geltung kommen sollen. lch kann mich
nicht in die Erörterung einlassen, in wie weit es möglich sein dürfte,
bei der gegenwärtigen Organisation dieser Schulen diese Reformanträge
im Zeichenunterrichte durchzuführen. Möglich, dass durch den so erweiterten
Zeichenunterricht die Realschulen, die ohnedies ihrer Zwitternatur
nach eine nichts weniger als ausgeglichene Mitte zwischen rein humanistischen
und rein realistischen Bildungsanstalten einnehmen, noch mehr
alterirt würden. Möglich, dass dadurch die. letzten Oberclassen der Realschulen
durch Einführung dieser Principien im Zeichenunterrichte gewissermaßen
als Vorbereitungsschulen für höhere Kunstgewerbeschulen
und Akademien der bildenden Künste umgestaltet würden, während jetzt
die Realschulen eine Art Vorstufe zu technischen Anstalten bilden; - es
wäre ja vielleicht kein so großes Unglück, wenn das geschähe, insbesonclers
bei Realschulen an Orten, wo Kunst und Kunstgewerbe blühen -
über diese didaktischen Fragen eine Meinung auszusprechen, kommt mir
nicht zu und stehen mir auch nicht die Schulerfahrungen im Lehramte
zur Verfügung, um mit Recht bei dieser internen Frage der Mittelschulen
mitsprechen zu können.
Nur möchte ich, bevor ich in die angeregten principielleren Erörterungen
eingehe, vorerst einen vorwiegend praktischen Gesichtspunkt
besprechen, der sich auf die geistigen, speciell künstlerischen Qualitäten
der Zeichenlehrer an der Realschule und auf die Bildung von Lehramtscandidaten
für diese Schulen bezieht.
Sollte man es versuchen, auf die Schultern der Zeichenlehrer specielle
Rücksichtnahme auf die humanistische Bildung zu laden, so müssten
die Lehrer in erster Linie nicht bloß Zeichenlehrer, sondern auch Künstlernaturen
sein, die auch das figurale Fach gründlich und fachmännisch