Kannetjesu (nach Jacobäa von Holland 1401-1436) genannten schmalen,
gelbgrauen Krüge. Ein bereits viel vollknmmeneres, aber doch den Typus,
namentlich an dem gewellten Fuße und dem hochangesetzten Henkel, vertretendes
Exemplar ist der dem Grafen Wilczek gehörige eiförmige Krug
Nr. 203, ohne Zweifel das älteste Stück des ganzen Zweiges in der Aus-Stellung.
In Deutschland nannte man bis vor Kurzem alles rheinische Steinzeug
nkölnischu, im Auslande wgres cerame de Flandreu; in beiden Fällen
scheint, wie so häufig, die Heimat der Händler, von welchen man die
Waare empfing, auf diese selbst übertragen worden zu sein. Denn weder
in Cöln noch in Flandern sind dergleichen Krüge fabricirt worden. Vielmehr
hat durch das Auffinden von verschütteten Oefen, Scherbenlagern,
Vergleichung von lnschriften und Ermittlung von Hafnerfamilien, welche
sich theilweise bis auf unsere Tage erhalten haben, mehrere Dörfer, wie
Frechen im Kreise Cöln, Raeren im Regierungsbezirk Aachen, ferner in den
Aemtern Selters und Montabaur (dem sogenannten Kannenbäckerländchen)
_ im Nassauischen und in der Stadt Siegburg die Existenz einer umfangreichen
und zu Zeiten hochentwickelten Industrie festgestellt werden können.
Auf jene Ortschaften vertheilt man nun nach dem Vorgange des vor wenigen
Jahren gestorbenen Cölner Caplans, Dr. Dornbusch, die vorhandenen Steinzeugarbeiten,
wobei natürlich nicht ausgeschlossen ist, dass neuere Funde,
sei es am Rhein, an der Donau oder in anderen Gegenden, zu einer Revision
des Systems nöthigen können. Die Sonderung wird übrigens stets
ihre besonderen Schwierigkeiten dadurch behalten, dass dieselben Formenschneider
für verschiedene Orte arbeiteten, gelegentlich auch die eine Fabrik
die Waare einer anderen nachformte. Von großem Interesse ist die Beobachtung,
wie aus den ursprünglichen plumpen Krügen sich Gefäße entwickelt
haben, welche dem Formensinn der Künstler das glänzendste Zeugniss
geben, Gefäße, in ihrer Art so vollkommen, wie die "Vasena des
Alterthums, und in späterer Zeit nur erreicht von den besten Schöpfungen
der Delfter Steingutiabrication. Die Eiform des Körpers wird gern beibehalten,
aber die Rundung in der Mitte unterbrochen durch Rundstäbe
und Kehlnngen oder von solchen begrenzte Friese mit figuralen oder ornamentalen
Compositionen, Wappen u. dgl. m.; der Körper steht auf einem
viel niedrigeren Fuße und der größere Henkel vermittelt in schön geschwungener
Linie zwischen Ausguss und Schulter. Andererseits veredelt
sich das Jakobas-Kannetjes zu der konischen schlanken nSchnelleu oder
dem breiteren, cylindrischen oder konischen Kruge. Der Darstellungskreis,
für die einzelnen Innungen wol ziemlich eng begrenzt, gestaltet sich im
Ganzen recht mannigfaltig. Tanzende Bauern nach Hans Sebald, Beham
oder Aldegrever, meist mit Versen, welche den Spielmann auffordern,
"tapfer-i zu blasen, v-dann tanzen die Bauern, als wären sie rasenu, und
auch der Pastor vermisst sich, vKappe und Kor zu vertanzenu; andere
Scenen aus dem Volksleben mit Sprüchen; einzelne biblische Geschichten,