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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 191)

konnte, das wusste er ganz und vollständig. Er war keiner von 
den verschwommenen, nebelhaften Persönlichkeiten, die planlos 
die Welt durchirren. Je älter und reifer er wurde, desto sicherer 
und selbstbewusster wurde er. Ihm hatte die gütige Natur einen 
Zug von Humor zum Wiegengeschenk gemacht, das ihn in den 
ernstesten Lebenslagen begleitete und allen seinen Schöpfungen 
einen eigenthümlich lieblichen und reizenden Charakter gibt. ln 
seinen reichen Kunstschöpfungen ist nirgend ein Zug von Gemein- 
heit; er war einer von jenen wenigen Künstlern, die es ver- 
standen haben, in die Seele des Kindes und der Frauen zu sehen. 
Nicht die Schönheit der Formen und der Farben, sondern die 
Grazie, die Lieblichkeit, die Schalkhaftigkeit, die Unbefangenheit 
des Kindes und der Frauen wusste er in hundert von Gestalten 
wiederzugeben. Wer kennt nicht die Laufberger'schen Kinder- 
gestalten, die Alt und Jung entzücken und entzücken werden, 
so lange eine gesunde menschliche Empfindung existiren wird. 
Wir rechnen es ihm zum besonderen Verdienste an, dass er es 
verstanden hat, in einer Zeit, die leicht geneigt ist, die Kinder- 
und Frauenwelt zum Stoffe lasciver und lüsterner Illustrationen 
zu machen, den reinen Reiz dieser Welt künstlerisch festzuhalten. 
Aus einer Schule hervorgegangen, die das Hauptgewicht auf 
das Zeichnen legte, hat er mit Ausdauer sich klare Einsicht in 
die Grundbedingungen des coloristischen Elementes der Malerei 
verschafft. Er beherrschte das figurale Element wie das or- 
namentale. Seine künstlerischen Meisterleistungen liegen auf 
dem Grenzgebiete der figuralen und ornamentalen Kunst. Auf 
diesem Gebiete hatte er kaum einen gleichberechtigten Rivalen. 
Die Eigenschaften seines Geistes" und seines Charakters haben 
sein Lehrtalent entwickelt, und wenn wir heute sein abgeschlos- 
senes Leben überblicken, so ist es für uns zweifelhaft, sollen 
wir ihn als Künstler höher schätzen oder als Lehrer. Er hatte auf 
beiden Gebieten eine schulbildende Kraft, die hiedurch uns 
segensreich nachwirken wird. Er hat nicht blos eine große Anzahl 
von Künstlern gebildet, sondern eine ganze Generation von Lehrern 
geschult, die jetzt praktisch wirken und die es mit tiefster Trauer 
empfinden werden, dass ihr Lehrer und Meister aus dem Kreise 
der Lebenden geschieden ist. Niemand vielleicht weiß es so gut, als 
der Schreiber dieser Zeilen, wie ganz der Lehrerberuf neben dem 
Künstlerberufe seine Seele erfüllte. in den letzten Jahren empfand 
er ganz besonders lebhaft den Mangel an stilgerechten Vorlagen 
für dasGebiet der figuralen und der ornamentalen Decorations-
	        

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