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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1875 / 114)

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bischen Schrift neue Abarten derselben entstehen. Sie wurden geschaffen

für alle Verhältnisse des privaten und öffentlichen Lebens: für jede Art

von Urkunden, wie Verträge, Schutzbriefe, obrigkeitliche Erlässe, officielle

Staatsschriften, gerichtliche Documente, Pässe u. s. w., wurden eigene

Schriftgattungen erfunden, geradeso wie im osmanischen Reiche, wo noch

heute dem besonderen Kanzleistyle eine eigene Kanzleischrift zur Seite

steht. Aber auch die Briefe der Chalifen an fremde Herrscher, an ihre

Statthalter oder Emire unterlagen diesem Zwange. Gar bald trat die

Unmöglichkeit für den Einzelnen 'ein, sich alle Schriftarten anzueignen,

von denen iede durch eigene Stammbäume auf die Urschrift zurückzuführen

 war. _

Es darf also keineswegs Wundervnehmen, wenn ich neben den paar

Hunderten mir vorliegenden Schriftgattungen für die kritisch übersichtliche

 Darstellung der Entwicklung des arabischen Alphabets nunmehr

schon an 6ooo verschiedene Verbindungsformen seiner 28 Buchstaben

nachzuweisen vermag. Diese Zahlen sprechen deutlich. Eine Schrift,

welche solch' grossartige Entwicklung erfahren hat, muss auch zur Zeit

ihrer Blüthe nicht sowohl durch ihre Träger, als auch in ihrer socialen

Anwendung zu einer besonderen Bedeutung emporgehoben worden sein.

Und dies ist wirklich der Fall 5). Freilich hat auch hier die Mode viel,

wenn man will Alles, verschuldet. Sie beherrschte das Individuum, Mann

oder Weib, buchstäblich von der Sohle bis zum Scheitel; denn es gab

(gleichwie in unsern Tagen) auch im lsläm Beispiele dafür, wie der

Wahnsinn der Mode selbst an dem natürlichen Haarschmuck sich

vergrilf. Aaledsch, eine der gefeiertsten Schönheiten Bagdäd's -- so erzählt

 uns der im Jahre 93g n. Chr. verstorbene ausgezeichnete Spanier

lbn Abd Rabbihi in seinem lkd el-farid nach einer sicheren Ueberlieferung

- gefiel sich darin öHentlich zu zeigen, indem ihre schwarzen Haare mit

schmachtenden Versen in weisser Schminke beschrieben waren. Nicht

genug! Eine andere Dame schrieb nach derselben Quelle, mit Henna (der

rothen Nägelschminke) in ihre hohle Hand einen Vers, um ihn nur sagen

zu lassen, wie das zarte Weiss ihrer Hand die Schönheit des Henna erhöhe,

 nicht aber umgekehrt, dass es desselben zur Hebung der eigenen

Reize bedürfe.

In diesen Beispielen charakterisirt sich klar der Drang eines schreiblustigen

 Volkes. Es genügte ihm nicht, das Individuum selber an den

Schuhen, Kleidern, Binden, Bändern, Gürteln, Mützen, Hauben, Schleiern

oder - in seiner kriegerischen Erscheinung - an den Waffen und Rüsti



s) Der berühmte arabische Geschichtsphilosoph lbn Chaldün (dessen Allgem.

Gesch. Band l der Buläker Ausg. pag. 348 f.) entwickelt die Bedeutung der arabischen

Schrift sehr anziehend vom philosophischen Standpunkte aus. Man denkt unwillkürlich an

gewisse statistische Ausweise unseres civilisirten Erdkreises, wenn man liest, wie der

Araber des XIV. Jahrhunderts die Schreibkunst als eine Eigenheit des Menschen erklärt,

wodurch derselbe sich von dem lieben Vieh unterscheide.

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