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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1875 / 114)

Schutzmarke wArbeit von Basinnau versehen waren, trotzdem aber mit

derselben Bezeichnung beschrieben in Birdhaun, Kaliwän und anderen

Städten Chuzistän's imitirt wurden 1'). Ja, ein statistischer Bericht des

berühmten spanischen Wezirs und Geschichtschreibers el-Makkari u)

zählt in der granadischen Hafenstadt Almeria unter anderen nicht weniger

als je hundert Weberstühle, die blos für die Irnitirung der asiatischen

Stoife von lsfahän und Dschordschän thätig waren! Doch genug damit.

Schon aus den wenigen Andeutungen erhellt für jetzt wenigstens zur

Genüge die Berechtigung der angewandten palaeographisch-historischen

Kritik im Dienste der orientalischen Kunstwissenschaft und Technologie.

Nicht minder wichtig, als das im arabischen Schriftzüge gefundene

Mittel zur Datirung, ist die damit in enger Beziehung stehende Schrifte

Ornamentik - ein Merkmal, dessen Existenz bisher gar nicht geahnt

wurde. Wir wissen, dass die arabische") Ornamentik überhaupt eine

dreifache ist: die Ornamentik der geometrischen Figuren, der Blumen

und der Schrift. Erstere, welche theoretisch in der Geometrie der Polygonen

 basirt, historisch aber an die byzantinischen Geflechte sich lehnt,

hat schon der französische Architekt Jules Bourgoin in einem vortrefflichen

 und reich illustrirten Werke behandelt ß). Sie ist jedoch, gleich

der Blumen-Ornamentik, für unsere Zwecke fast gänzlich irrelevant. Nicht

so die Schrift-Ornamentik, deren Studium aber insoferne mit grossen

Schwierigkeiten verbunden ist, als der erste Schritt in der Erkenntniss

ihres Werthes eine vollständige Beherrschung der arabischen Schriftent-Wicklung

 überhaupt voraussetzt. S0 lange dies aber gerade bei Berufenen

nicht der Fall ist, darf es nicht überraschen, wenn Unberufene unter

Schaustellung eines gewaltigen Phrasenreichthums die confusesten Anschauungen

 hierüber verbreiten. Auf diese Weise hat man sich nach und

nach gewöhnt, die arabische Schrift-Ornamentik lediglich als ein wildes

Spiel der Phantasie zu betrachten, der wohl eine entsprechende Dosis

Mysticismus, beileibe aber nicht die wünschenswerthe philologische

Bedeutung innewohne. Scffinden, um nur ein Beispiel anzuführen, die

spanischen Kunstgelehrten in den einfach nachgeahmten arabischen Schriftzügen

 der Reliquienbüchse, welche in der Camara Santa der Kathedrale

von Oviedo aufbewahrt wird, einen ncierto misterioso aspectou 15). Auch

Bourgoin ist von gleichem Wahne befangen, wenn er, sein ihm eigenes

Gebiet verlassend, sagt: nljecriture des Orientaux, independamment du

") El-Istachri: Kitäb mesälik el-memälik, ed. de Gocje, p. 93.

") Vgl. die Textausgabe von Dozy, Bd. l, p. 102.

") Folglich auch persisch: und türkische.

ü) J. Bourgoin: Las arts Arabes, Paris 1873.

"Ü Monumentos arquitectönicos de Espuüa, Cänmra sanla d: Oviedo, pag. 16. -

Die ornarnenml: Inschrift ist indess nicht so unerklßrbnr, wie der von der Comision de

Monumentos arquitectünicos de Espaüa zu Rathe gezogene Orienlalist Prof. Gaynngoß bev

hauptet (1. c. Anm. 1). Die Imitation ist fast durchgehends reconstruirbar.
            
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