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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1875 / 121)

es bleiben. Der entgegengesetzte Weg, der Weg einer Geschäftsfabrik,

würde nur dem Verderben entgegenführen; ihn hat die Wiener Porcellanfabrik

 mit ihrem Untergange büssen müssen.

Ihrem Bestreben getreu, wenn möglich nicht wehe zu thun, beginnt

die Commission ihre Kritik der gegenwärtigen Arbeiten damit, dass sie

schöne Resultate constatirt, sowohl in Bezug auf Kunst, wie in Bezug

auf die Technik. Letzteres namentlich scheint ihr über jeden Zweifel erhaben,

 obwohl die Technik, die eigentliche Porcellantechnik, schon 1867

die schwächste Seite der Fabrik war. Die Commission ist selbst überrascht

 von der glänzenden Wirkung des Ganzen. Nichtsdestoweniger findet

sie gar viel zu tadeln. S0 herrscht im Allgemeinen eine Unsicherheit in

der'Vcrzierung. Das Gefühl für Decoration, meint sie, ist schwach; die

Abwesenheit der decorativen Principien und der Mangel einer Vorbereitung

durch den Unterricht machen sich überhaupt bemerkbar. Den Künstlern

fehlt die bestimmte Richtung und daher verfallen sie auf confuse, nichtssagende

 und unzusammenhiingende Compositioncn. In ihrer Unsicherheit

und in dern Wunsche originell zu sein, werfen sie sich auf bizarre Erfindungen.

 Ein Jeder sucht haltlos und richtungslos seinen eigenen Weg

auf gut Glück. Bei solcher Zerrissenheit und Willkürlichkeit sei es dann

unmöglich für die Fabrik, "den grossen nationalen Styl, der ihre Arbeiten

in den schönen Epochen bezeichnet hatu, aufrecht zu erhalten.

Der Bericht verwirft weiter (genau wie es schon vom Verfasser im

Jahre 1867 geschehen ist) die steifen Formen mit dem Genre Medaillen,

die willkürlichen, regellosen, schweren Gestalten der jüngsten Zeit und

vor Allem die falsche Bahn, welche die Fabrik damit eingeschlagen hat,

dass sie das Gemälde als solches als das höchste Ziel ihrer Kunst hinstellte.

 Man findet sodann die Farbe des Grundes schwer und kalt in

Ton, ohne Transparenz und Tiefe und fast immer von unangenehmer

Farbe. Man tadelt weiter - und das ist ein allgemeiner, von_uns oft

hervorgehobener Fehler des modernen Porcellans - die absolut weisse

Masse der Gefässe, dessen Herstellung einst das Ziel der Porcellanchemiker

gewesen. Diese Weisse zerstört aber alle feine Harmonie und macht die

Wirkung roh. Im Bestreben, alles natürlich und vollendet, mit ausgeführter

Modellirung zu malen - so heisst es weiter - hat man die Schönheit

der Farben verloren. Diese naturalistische Ausführung verdirbt die Reinheit

 der Farben und verhindert die Freiheit der Zusammenstellung, deren

sich die Chinesen und Japaner bei ihrer Art unbedingt erfreuen. Endlich

verwirft die Cornmission - und das mit vollefn Recht - die für Sevres

so wichtige und zugleich so verhängnissvolle Montirung mit vergoldeter

Bronze, welche nicht nur dem Porcellan seine eigenthümlichen Schönheiten

 und Feinheiten durch ihre breite Ueberstrahlung tödtet, sondern

auch durch Verdeckung der technischen Fehler und Schwächen zum trügerischen

 Nothbehelfe dient.
            
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