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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1875 / 122)

1432 _v

einer Weise, welche keineswegs zu Gunsten des künstlerischen Verständnisses

 seines Verfertigers spricht. Solches tritt besonders am obersten

Theile des Deckels und wohl auch am Fusse deutlich hervor. Auch die

meisten Detailformen, die Ornamente auf den einzelnen Gliederungen,

sind von W. Jamitzer und zwar nicht nur Copien nach seinen Entwürfen,

sondern sorgfältig ciselirte Abgüsse nach seinen ausgeführten Arbeiten.

Der Verfertiger hat offenbar die Modelle aus Jamitzefs Werkstatt, in

welcher er vielleicht gearbeitet hatte, sich verschafft und dieselben dann

mit grosser technischer Vollendung nachgebildet. Da alle diese Ornamente

am nLandschadenbundu durchaus richtig angewendet und zusammengestellt

 sind - sie sind zum Theil so beschaffen, dass sie für andere Abmessungen

 nicht brauchbar sind - muss Jamitzer selbst einen ähnlichen

Pocal oder auch eine Schüssel gefertigt haben, dafür diese Ornamente

ursprünglich entworfen, modellirt und gegossen wurden. Diese Original-Gefässe

 von der Hand des W. Jamitzer sind mir bis jetzt nicht bekannt

geworden, sind vielleicht auch nicht mehr vorhanden").

Zu diesen JamitzeHschen Formen hat der Augsburger Meister nun

aber noch einige andere Formen hinzugefügt - ob er sie selbst gefertigt

oder sie von einem anderen Meister entlehnt, ist nach dem Obigen zweifelhaft

 - welche zu den ersteren sehr wenig stimmen. Dazu gehören besonders

 der aus drei f-igurenreichen Reliefs - Scenen aus der biblischen

Geschichte - zwischen Karyatiden zusammengesetzte Fries an der Kuppe

des Pocals, die sehr schlecht modellirte Figur auf der Spitze - Abundantia

 mit Füllhorn und Schild - die drei glatten Streifen mit Emailmalerei

 in ganz anderem Styl, die gedrehten Schnüre von sehr groben

Formen und Anderes. '

Uebrigens steht diese Benutzung von W. Jamitzefs Modellen durch

andere Goldschmiede keineswegs vereinzelt da. In der Schatzkammer zu

Stuttgart befindet sich ein von einem Nürnberger Goldschmiede gearbeitetes

 Schmuckkästchen (abgebildet im nKunsthandwerku, Bd. I, Taf. zo),

welches neben anderen, von Jamitzer zuerst angewendeten Ornamenten

mit einem Triglyphen-Friese geziert ist, der in gleicher Weise an einem

ähnlichen Kästchen von W. Jamitzer in der Kunstkammer zu Berlin und

auch an dem oben erwähnten Berliner Pocale sich findet.

') Da es mir auffallend ist, dass diese für bestimmte Rundungen componirten, zum

Theil sehr reichen Ornamente so gut zusammenpassen, will ich den Gedanken nicht ganz

abweisen, dass der ganze Pocal bei W. Jamitzer bestellt und zum grossen Theil in seinem 1

Atelier gefertigt, nach seinem im Jahre 1586 erfolgten Tode aber von dem Augsburger

Meister vollendet wurde, der dann einige -Verbesserungen- nach seiner Art angebracht

hat. Solche Fälle kommen in der Architekturgeschichte bekanntlieh unendlich oft vor.

Gegen diese Ansicht spricht freilich die Thatsache, dass Wenzel Jamitzefs Bruder und

Mitarbeiter Albrecht, der WenzePs Atelier ohne Zweifel fortgeführt hat, erst im Jahre

1590 starb und dass Albrechts Sohn Christoph (1- 16x8) ebenfalls Goldschmied war.
            
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