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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1875 / 122)

4.33

Das National-Museum zu München besitzt einen W40" hohen Pocal

(aus Messingl), welcher dort unter dem Namen wPocal nach Zeichnung

von Virgil Solisu") bekannt ist. Die Gesammtform desselben erinnert an

W. Jamitzer und seine Einzelformen sind zum Theil ebenfalls von diesem

Meister entlehnt. Doch sind die Detailforrnen nur misslungene Abgüsse,

respective schlechte Copien nach Jamitzer und die Zusammenstellung derselben

 ist ohne Verständniss für den tektonischen Aufbau eines Pocals

und ohne Gefühl für Verhältnisse und Schwung der Linien gemacht, so

dass man überhaupt zweifeln darf, ob dieser Becher das Werk eines

älteren Meisters oder nicht vielmehr eine auf Täuschung berechnete,

moderne Arbeit ist. Der Deckel desselben ist viel besser gearbeitet und

seinem Formenkreise nach viel jünger als die übrigen Theile.

Auch eine Taufschüssel mit Kanne im Besitze des Grafen Herberstein

 zu Graz sind mit einzelnen Detailformen geschmückt, welche von

Jamitzer's Arbeiten abgegossen sein müssen.

Dass die überaus zahlreichen Entwürfe Jamitzefs, womit er sehr

freigebig war und welche er selbst oder Andere nach seinen Zeichnungen,

jedoch ohne Nennung seines Namens, in Kupfer gestochen haben, von den

Goldschmieden benutzt worden sind, liegt sehr nahe und findet sich unendlich

 oft. Diese Arbeiten sind dann an dem geringen Verständniss in

der Detail-Ausführung meist leicht kenntlich. R. Bergau.

Aus du: Budget das lludelsllnletorluns.

Das Gesammt-Erforderniss des Handelsministeriums für das Jahr 1876 ist mit

24.257581 (T. veranschlagt, die Bedeckung ist mit r ,57r.ooa B. eingestellt, woraus sich

ein Abgang von 4,68678: H. ergibt, lm Jahre x87? betrug der Abgang 3.028.437 6., es

wird somit for das nächste Jahr ein um r.658,344 (l. höherer Staatszuschuss erforderlich

sein. Drei Posten des Erfordernisses verdienen besondere Beachtung, weil sie zu den sogenannten

 productiven Anlagen gehören, deren Vortheile jedoch erst in späterer Zeit zu

Tage treten werden; es sind dies die für gewerbliche Fuchschulen und Hilfsmittel der

gewerblichen Fachhildung, dann für eine Versuchsanstalt für Keramik, Glusund Email in

Wien, und für ein technisches Gewerbemuseum in Wien ausgeworfenen Summen. Für

gewerbliche Fachschulen und Hilfsmittel in der gewerblichen Fachbildung

 sind 212.000 H. bestimmt, die nach dem Wunsche des Abgeordnetenhauses wieder

in das Extraordinarium übertragen wurden.

Besonders eingestellt erscheinen diesmal 6800 H. ihr die technische Versuchsanstalt

 für Keramik, Glas und Email in Wien, welche provisorisch im Jünner

1874 unter der Leitung des Chemikers der ehemaligen kais. Porcellanfabrik in Wien,

k. k. Finanzsecretärs Franz Kosch, erolfnet wurde und während der kurzen Dauer

ihres Bestandes - insbesondere in Folge ihrer Verbindung mit den ausgezeichneten

Fachkräften der Kunstgewerbeschule des k. k. Oesterr. Museums für Kunst und Industrie

sowie mit vielen Industriellen - im Gebiete der keramischen und BronzßDecoration

bereits sehr Erspriessliches geleistet hat.

Bei dem hervorragend kunstgewerblichen Charakter der von der gedachten Versuchsanstalt

 gepflegten und geförderten sowie wissenschaftlich erforschten Techniken erscheint

 eine fortdauernd innige locale Verbindung dieses Institutes mit dem k. k. Ostern.

') Es durfte schwer sein, die yleichnung zu diesem Pocnl von Virgil Soli: oder

einem andern alten Meister nachzuweisen. Dagegen gibt es Kupferstiche von Virgil Solis

nach Zeichnungen von W. Jamitzer, welche Ornamente ähnlicher An, wie an diesem

Pocale sich finden, darstellen.
            
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