Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 128)

sammten jeweiligen Kuusttreibens anzuregen, sind Costümbilder in Oelmalerei,

 Kupferstichen und Photographien beigegeben worden.

Die herrlichste Leistung unter all den schönen Nadelarheiten, die

hier in zwei dichtgefüllten Sälen dem Besucher vorgeführt werden, besteht

in einem sehr grossen Schleier von Point d'Argentan im Besitze der Fürstin

Kinsky, ebenso reich in dem stets wechselnden Dessin als unübertrefflich

in der Technik, durch welche die Vasen, Guirlanden, Festons und Bouquets,

 womit der zarte Tüllefond im Stil Louis XV. übersäet ist, dicht

und leicht gebildet erscheinen. Das kleine Städtchen Argentan setzte jedoch

im 17. und i8..Jahrhundert seine zierlichen Dentelles besonders häufig

nach Italien ab, und dort kamen sie unter dem Namen Argentella in Genua

 auf den Markt. Von dieser Sorte, welche selten wurde, liegen mehrere

ausgezeichnete Proben vor, ebenso von der feinsten aller französischen Spitzen

iener Epoche, dem Point de Sedan, wo seit 1665 auf königlichen Befehl

diese Industrie in grossartigstem Massstabe betrieben wurde. Im verflossenen

Säculum nahm der Point de Sedan die Dessinirung nach dem Geschmack

architektonischen Schnörkelwerks in Stucco an und excellirte dabei in der

wunderbar delicaten Ausbildung der unendlich feinen Reliefs auf dem

Fond der zarten Nadelarbeit.

Ausserordentlich reich ist die Manufacture Royale von Alencons vertreten,

 die ihre Gründung im Schlosse Lonray dem grossen Colbert verdankt.

 Unsere Ausstellung enthält eine sehr grosse Menge von Mustern

dieser Fabrication, worunter Frau Fürstin Lamberg das Ausgezeichnetste

exponirt hat. Einmal sind es Streifen für Besätze mit verstreuter Musterung

 und dichterem Saume, dann aber auch ganz dichtgefüllte Flächen

von der erstaunlichst mühsamen Technik. Als letztere führt die Alenconspitze

 den stolzen Titel des Point de France, in der That die Königin

aller Nadelarbeiten, aller Zeiten und aller Länder. Sie bedient sich {igntaler

 Musterung im Geschmacke des Rococos, gebietet über ein Heer der

rnannigfachsten Techniken, bildet den Fond (reseau) in unendlich abwechslungsreichen

 Dessins und erforderte den grössten Zeitaufwand zu ihrer

Herstellung, obwohl das Princip der Arbeitstheilung eingeführt war und

circa zwanzig Nadelkünstlerinnen an jedem Stück beschäftigt waren. Schöne

Proben dieser Gattung hat das Museum selbst und mehrere Private ausgestellt.



Colberts Intentionen waren dahin gerichtet, sowohl Italiens als der

Niederlande überwiegenden Einfluss im Spitzenfache zu brechen, er liess

demnach die vorzüglichsten Producte beider Länder in den zahlreichen

Arbeitsstätten der neu begründeten Manufacture Royale nachahmen. Bald

aber war die Periode 'der Initiative ein überwundener Standpunkt und

entstanden in den verschiedenen Orten neue Stilrichtungen, welche von

den italienischen oder niederländischen Vorbildern zwar manches Technische

 und Formelle beibehielten, dennoch aber der vollendeten Leistung

etwas so ganz Neuartiges im Typus aufgedrückt zeigten, dass das Resul-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.