Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 128)

87

tat nun nicht mehr als italienisch oder flamländisch, sondern französisch

einzig und allein gelten kann. Auf diese Weise ging man z. B. von dem

Venezianischen Point de rose aus und kam zu einer gewissen Art des

Point de France, welche ebenfalls durch Reliefansätze sich auszeichnet.

Der Point de rnse, so genannt von seinen blumenartigen, dicken Aufsätzen,

welche erhaben auf dem Rankenwerk der Spitzenfläche angebracht sind,

von denen er aber, wenn sie sehr klein und mit staubfädenartigen Bekrönungen

 versehen sind, den Namen roselina führt, gehört ursprünglich

Norditalien, vornehmlich Venedig, auch Genua an, wurde aber im 16.

und 17. Jahrhundert auch in anderen Ländern nachgeahmt. So nennt man

ihn z. B. fälschlich Paint d'Espagne, weil auch dieses Land die Technik

der Reliefspitze cultivirte, obwohl es einen eigentlichen Point d'Espagne

gibt, dessen Typus und Herstellungsweise von jenem venezianischen Paradigma

 gänzlich abweicht. Die merkwürdigsten Punti d rilievo in der

Ausstellung sendete Frau Friedrich Spitzer aus Paris ein; sie sind von

dunkelgrau-brauner orientalischer Seide höchst delicat ausgeführt, haben

sicher aber ihre Entstehung in Oberitalien gefunden. Ein Wunder mikroskopischer

 Feinheit sind Roselinen der Frau Fürstin Ahrenberg-Liechtenstein,

 von jener Gattung, welche man auch Elfenbeinspitze zu betiteln

pßegt, weil ihre höchst subtilen Zweige und Fäden in den Blumenkelchen

an gewisse Schnitzereien in dem genannten Material erinnern, wie sie die

Kleinkunst der Drechslerei im 17. Jahrhundert hervorzubringen verstand.

Kräftiger und schwungvolle-r in den Zeichnungen stellten sich endlich die

im Relief gebildeten Punti d fogliami der Frau Gräfin Bechevet dar, ein

Altarbehang von seltener Länge und tadelloser Erhaltung.

Die Erzeugnisse von Brabant, besonders die gestaltungsreiche Brüsseler

Spitze, findet sich im Besitze älterer österreichischer Familien quantitativ

wie qualitativ besonders vertreten, wohl aus dem Grunde, weil die Niederlande

 so lange Zeit dem Habsburgischen Scepter unterstanden. Das Ausgezeichnetste

 in diesem Genre hat Frau Fürstin Schvvaraenberg ausgestellt,

Brüsseler Spitzen von Klafterdimension mit der reizendsten Ornamentirung

der Barockzeit; übrigens zählen die Proben von Brabauter Dentelles auf

der Ausstellung nach l-lunderten.

Auch ein interessantes historisches Obiect ist unserer Exposition einverleibt,

 Theile eines Taufzeuges nämlich, welches bei der Ertheilung

dieses Sacramentes an Karl l. von England gebraucht wurde. Es bwteht

aus venezianischen Reliefspitzen, die in England sehr gesucht waren und

später daselbst auch inländische lmitirung erfuhren.

lch muss es mit diesen Andeutungen des Wichtigsten, das die Spitzenausstellung

 bietet, genügen lassen. Viel aber wäre noch vom eigentlich

fachlichen Standpunkte zu sagen, indem du Forschung auf diesem Felde

hier eine bedeutende Reihe von Aufschlüssen aufgethan wurde, eine ansehnliche

 Zahl von Fragen, welche auf die sehr dunkle Geschichte der

Spitzenfabrication Bezug nehmen, wenigstens theilweise Erledigung finden
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.