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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 128)

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der wiederholten Aufhebung der Klöster und Conliscation der Kirchen- 
güter sind auch die Reichthümer der Kirchen und Convente verschwunden 
und spurlos im allgemeinen Staatssäckel untergegangen. Was heutigen 
Tages aus der Glanzperiode Venedigs noch übrig ist, die Kirchen- und 
Staatsbauten, die Paläste werden nur mühsam erhalten; die Einnahmen 
des Staates und der Commune reichen kaum aus, um die nothwendigsten 
Restaurationen der öffentlichen Gebäude durchzuführen. Dazu körnmt, 
dass das Museo civico Correr fast ganz von Mitteln entblösst, also nicht in 
der Lage ist, durch Ankäufe der Verschleppung der Kunstwerke Einhalt 
zu thun, und dass die Gelehrten-Generation fast gänzlich verschwunden 
ist, deren Zierden zwischen 1815 bis 1848 Cicogna. Sagredo, Selvatico, 
Lazari, Romanin, Cicognara, Valentinelli u. A. m. gewesen sind. - 
Wo noch irgendwo eine bauliche Thätigkeit sichtbar ist, lehnt sich diese 
an Restaurationsarbeiten dieser ülfentlichen Gebäude an; etwas Neues zu 
schaffen, dafür fehlen die Bedürfnisse nicht weniger wie die Mittel. ln- 
mitten des baulichen Ruins sind es einige Restaurationsarbeiten, die das 
Auge des Kunstfreundes erfreuen und die auch mit künstlerischem Ver- 
ständniss durchgeführt werden. Bei anderen hingegen hat die restaurirende 
Hand viel zu viel von dem Alterthümlichen hinweggewischt, als dass ein 
befriedigender Eindruck "herbeigeführt würde. Zu den Restaurationen 
ersterer Art würden wir die der Markuskirche und des Dogenpalastes, 
welche schon zur Zeit der österreichischen Herrschaft begonnen wurden, 
die von S. Donato in Murano, vor allem aber die Restaurirung der 
Kirche S. Sebastiano rechnen. Kein Kunstfreund möge es versäumen, 
diese Stätte aufzusuchen, wo ausser dem Grabdenkmal Paolo Veronese's ') 
auch die herrlichen Oelgemälde (Decken-, Wand- und Altargernälde) dieses 
grossen Künstlers sich befinden. Nirgendwo kann man Paolo Veronese 
so gründlich und umfassend kennen lernen, als in dieser Kirche. Weniger 
dürfte ein Kunstfreund durch die Restaurationen des Fondaco dei Turchi, 
der Kirche S. Madonna dell'Orto und der Domkirche in Torcello sich 
befriedigt fühlen. Die Kirchen S. M. dei Miracoli und San Salvatore 
werden eben restaurirt; die Klosterkirchen von S. Giovanni e Paolo und 
') Die Inschrift auf dem Grabdenkmal Paolo Veronese's gibt als Todesjahr dieses 
Künstlers den XIII. Cal. Maii MDLXXXIII an. Die uKrünung Marias: und wdie vier Evan- 
gelisten. im Soffitto der Sakristei sind vom Jahre i555, der Hauptaltar von 1558, die 
Bilder im SoPEtto der Kirche von Paula und Benedetto Calinri fratelli von i556, die Orgel- 
thnren vom Jahre 1560 und das Altarbild Christus am Kreuze mit den beiden Marien 
vom Jahre 1565. Auch die Fresken und die Chiroscurcfs haben den Charakter der Malerei 
Paolo Veronesds. Ausser diesen datirten Bildern gibt es noch mehrere Bilder desselben 
Künstlers von unzweifelhafter Authenticität. Da man sich bei der Restauration dieser 
Kirche gehütet hat, die Vergoldungen zu erneuern und die Wände zu übermnchen, wie 
es bei S. M. dell' Orto und Torcello geschehen ist, so macht heutigen Tages die Kirche 
einen angenehmen Gesammteindruck. - Es ist bekannt, dass sich in dieser Kirche auch 
ganz ausgezeichnete Arbeiten von Alessandro Vittoria, sowie der heil. Nicolaus von Tizian 
beündet, den der Künstler in seinem 86. Lebensiahre gemalt hat.
	        

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