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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 128)

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von Dei Frari warten noch der restaurirenden Hand; Pfeiler und Gewölbe

müssen in beiden Kirchen theilweise gestützt werden, um sie vor gänzlichem

 Ruin zu bewahren. Auch die Capelle del Rosario, in welcher sich

das berühmte Bild S. Pietro Martire, ein herrlicher Giov. Bellini und die

Holzarbeiten Brustel0ne's (aus der Scuola della Carita) befanden, ist seit

dem Brande vom 16. August 1867 bis heutigen Tages noch eine complete

 Ruine geblieben.

Kirchen und Paläste sind wenigstens der architektonischen Hauptsache

 nach stehen geblieben und haben den politischen Stürmen und dem

Wetter Trotz geboten; auch in den Kirchen hat sich der grösste Theil

der Kunstwerke erhalten, während die meisten Schätze, welche in den

Palästen der Vornehmen aufbewahrt wurden, in alle Welt zerstreut sind.

Die Museen der Welt nähren sich von altvenetianischer Pracht und

Herrlichkeit. Es blüht daher auch nirgendwo der Kunsthandel so sehr

als in Venedig; so unglaublich viel auch auf diesem Wege in die ganze

Welt zerstreut wurde, so viel ist doch immer noch im Kunsthandel

Venedigs zu haben, theilweise aus venetianischem Besitze, theilweise

auch aus der venetianischen Terra-ferma und dem Besitze des übrigen

Italien. Mit lüsternem Blicke sehen daher auch alle Sammler und Kunstfreunde

 nach Venedig und gehen zur Suche nach der Lagunenstadt.

Nicht blos die eigentlichen Amateurs, die Kenner und Kunstfreunde, sondern

 das gesammte kunstliebende Publicum sucht mit Vorliebe nach venetianischen

 Alterthümern, nach Möbeln, Majoliken, Bronzen, nach venetianischen

 Gläsern und Stoffen. Da aber die Zahl der Liebhaber grösser

_ ist, als die Zahl der wirklich alten Gegenstände, so hat sich sehr bald

und schon seit längerer Zeit das Bedürfniss nach Herstellung neuer Gegenstände

 in alter Facon geltend gemacht und die Kunstgewerbe, die heute

in Venedig blühen, sind diejenigen, welche sich mit der Nachahmung

alter Kunstgegenstände beschäftigen, sei es um die neuen Gegenstände

als alte Waare in den Kunsthandel zu bringen, sei es in der Absicht, den

alten Styl wieder zu restauriren und den Geschmacksbedürfnissen derjenigen

 zu entsprechen, welche modernes Mobiliare im altvenetianischen

Geschmacke zu erwerben wünschen. Die eine Richtung also dieser restaurirenden

 Thätigkeit wendet sich den Fälschungen zu, die andere treibt

ein ehrliches Gewerbe. Dass nach beiden _Seiten hin viel Talent, viel Geschicklichkeit

 verwerthet wird, ist keinem Zweifel unterworfen. Auch das

geübteste Auge ist schon getäuscht worden, und bei vielen Arbeiten ähnlicher

 Art ist die Copie fast eben so viel wverth, als das Original. Aber

in der Regel ist die Arbeit roher und flüchtiger, da es ja doch dem Arbeiter

 nur darum zu thun ist, einen allgemeinen Eindruck wiederzugeben,

und die Kunstbildung der Artegiani eine viel geringere ist, als es in der

Blüthezeit der venetianischen Kunst der Fall war.

So erblüht das moderne venetianische Kunstgewerbe aus den Ruinen

der alten Dogenstadt. Vorzugsweise sind es Tischler und Verzierungs-6.


            
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