Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 129)

(I!

Punkte kräftig unterstützen und ihr die Opfer, welche sie verlangen wird, nicht wird verweigern

 wollen. Wir müssen grosse Anstrengungen machen für die Errichtung chemischer

 Laboratorien, die Ausstattung unserer Bibliotheken, die Baulichkeiten unserer Facultaten,

 in Paris sowohl als in der Provinz; für das naturwissenschaftliche Museum, wo

die Sammlungen aus Mangel an Raum zu Grunde gehen; für die Nationalbibliothek. Neue

Lehrstühle müssen errichtet, die Facultäten gruppirt, auf gewissen Punkten des Landesgebietes

 vollständige und mächtige Universitäten, reichhaltige Statten der Aufklärung für

unsere Departements, gegründet werden. Auch sollte - und ich lege hohen Werth auf

diesen Punkt - den jungen Gelehrten, den talentvollen jungen Männern, die, nachdem

sie ihr Doctor- oder Professoren- Examen bestanden haben, Vorträge über irgend einen

ihnen besonders geläufigen Zweig der Wissenschaften oder der Literatur zu halten wünschen,

 ein weites Feld der Thatigkeit eröffnet werden. Und dies sollte geschehen, ohne

dass darum unsere alte Universitatsordnung beeintxachtigt wurde, welche eine unserer

nationalen Kräfte ist und die wir sorgfältig beibehalten müssen. lch mochte sie nur

etwas geschmeidiger machen, ihrem Rahmen einige Elastizität verleihen, ihr die Mittel

in die Hand legen, sich einigermassen zu verjüngen, indem sie den jungen Talenten, zu

deren Bildung sie selbst beigetragen hat, früher und schneller einen Platz anweist. Hoffentlich

 wird ein Gesetzentwurf, der diese verschiedenen Punkte behandeln und nach den

Ferien eingebracht werden soll, den Forderungen entsprechen, welche das Land an die

Regierung stellt. Die Mittellschulen lassen weniger zu wünschen; doch besitzen manche

Departements Lyceen, die, was Lüftung und Raum betrifft, ganz unzulänglich sind, eher

alten Casernen als Frankreichs würdigen Lehranstalten gleichen. Auch hiefür werden wir

von den Kammern grosse Opfer verlangen und helfen, dass wir keinen abschlägigen Bescheid

 erhalten werden. Ebenso soll dem Zeichnungsunterricht ein grosserer

Aufschwung gegeben werden; wir können in dieser Hinsicht schon von erfreulichen

 Resultaten sprechen und haben Grund zu hoffen, dass diese Verbesserung ohne

Schwierigkeit wird ausgeführt werden können. Endlich sei hier der Absichten der Regierung

 in Betreff des Elementarunterrichtes naher gedacht! in den letzten Jahren haben

sich viele vorzügliche Geister in den Landern umgesehen, wo der Besuch der Elementarschule

 obligatorisch ist. Es ist klar, dass man auf die Seite des Schulzwanges hinneigt

und dass das Beispiel Englands (F), Deutschlands. der Schweiz dieser Meinung zu Hilfe

kommt. Was uns betrifft, so sind wir entschlossen, diese Bahn. wenn auch mit Vorsicht,

zu betreten. Wir haben nicht die Absicht, den Schulzwang leichthin zu decretiren, denn

dies wäre nicht nur eine Thorheit, sondern eine falsche Vorspiegelung, da wir damit zu

vielen Familienvatern sagen wurden: -Wir wissen wohl, dass ihr in eurer Nahe keine

Schule habt, dennoch zwingen wir euch, eure Kinder dahin zu führen.- Wenn wir etwas

Rechtes zu Stande bringen wollen, so müssen zuerst in vielen Departements, wo nicht

jede Ortschaft mit einer Schule versehen ist und wo die bestehenden Schulen in elenden

Loealen untergebracht sind, anständige Räumlichkeiten ausfindig gemacht oder gebaut

werden. ln den Gebirgsgegenden müssen Weilerschulen gegründet, das Lchrerpersonal

muss beträchtlich vermehrt und die Zahl der Schullehrerseminarien erweitert werden.

Wenn dies Alles geschehen sein wird - und es ist ein Werk, das grosse Geldopfer erheischt

 - wenn wir fast überall in Frankreich eine Schule in die Nahe der Familienväter,

des Kindes gebracht, und dargethan haben werden, dass ein Kind, um die Schule zu erreichen,

 nicht über zwei oder drei Kilometer zurücklegen muss, dann werden wir sagen:

der Schulbesuch muss obliptorisch sein; ein Vater darf seinem Kinde die geistige Nahrung

 eben so wenig vorenthalten wie das tägliche Brod. Wer sich dann gegen diese

Pflicht vergeht, soll einer Strafe unterzogen werden dürfen. Wie Sie sehen, sind es

Werke des Friedens, Werke innerer Entwicklung, und die Regierung will auf dieser Bahn

entschlossen, aber vorsichtig wandeln. Das ist es, was der Marschall Mac-Mahon, Präsident

 der Republik, wollte, als er iüngsthin auf das Jahr 1878 eine Gewerbe- und Kunstausstellung

 decretirte. Er hat darthun wollen, dass Frankreich nunmehr im vollen Besitze

seiner selbst und rnit einer Verfassung ausgestattet ist, welche von dem allgemeinen

Stimmrecht eine glänzende Bestätigung erhalten hat. Er hat gewollt, dass der erste Act

des dem Provisorium entronnenen und seiner selbst sicheren Frankreich eine Einladung

an die europäischen Nationen zu diesem brüderlichen Wettkampfe ware. Das Staatsoberhaupt,

 dessen Ruhm auf den Schlachtfeldern reifte, hat gewollt, dass unsere junge Republik

 ihre ersten Lorbeeren in dieser friedlichen Rennbahn pßücken sollte. Er hat gewollt,

 dass Frankreich Europa, der ganzen Welt den Beweis liefere, dass, wenn es auf

dem Boden der Gewerbe keine Nebenbuhler fürchtet, es auf dem Gebiete der Künste den

ersten Rang behauptet. Sie, meine Herren Delegirten der gelehrten Gesellschaften, werden

 bei dieser grossen Feierlichkeit Ihren Antheil haben. Sie werden berufen sein, hier

ein wissenschaftliches Gericht zu bildenm
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.