Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 132)

nCassonea, eine längliche mit einem Deckel geschlossene Truhe, welche

zur Aussteuer der Braut gehörte und dazu diente, einen Theil des Trousseaus

 aufzubewahren.

Die früheste Erfindung dieser Art für Kanapees und Bettstätten

scheint von Paolo Uccello herzurühren, der selbst hier seinem Fanatismus

für mathematisches Zeichnen nachgab und hieflir kleine Perspectivbilder

wählte. In dieser Art hatte sich von ihm noch hundertfünfzig Jahre später

Vieles in Florenz erhalten. (II. l. 93.) Mit solchen Dingen begannen einzelne

 später in's Grosse gehende Meister, z. B. jener Lazzaro Vasari.

Girolamo da Capri (Garofalo, IV. 339) musste anfangs in der Werkstätte

seines Vaters Tommaso, der ein Schildmaler war, Kasten, Bänke, Rahmen

und andere ähnliche Dutzendwaare fertigen. Selbst dem grossen Giorgione

war es in seiner Jugend nicht erspart für vornehme Venezianer Bettstellen

und Täfelwerk für Schlafzimmer zu malen. In Florenz bestanden noch

lange nach Dello bedeutende Malerwerkstätten, welche vorwiegend diese

Artikel fabricirten. So hatte Andrea die Cosimo Feltrini dort eine nicht zu

sagende Menge von Friesen, Kasten und Täfelwerk mit Malereien verziert,

so dass die ganze Stadt davon voll war und nicht leicht eine Hochzeit

gefeiert wurde, wo nicht bald dieser, bald jener Bürger mit einer Bestellung

 nach seiner Werkstätte kam. Auch in andere Städte verbreitete sich

dieser Sinn. AlsyGeschenk für eine vornehme Dame in Citta di Castello

hat noch Parmeggiano eine Kinderwiege zu malen bekommen (III. 2. 165)

und für den Herzog Guidubaldo von Urbino malte Bronzino einen Clavierkasten

 aus. (Puntorno, III. 2. 56.) Selbst dem Correggio schrieb man einen

Apollo und Marsyas zu, welcher ursprünglich den Deckel eines musikalischen

 Instrumentes verziert hatte, obwohl das Bild (beim Herzog Litta in

Mailand) von Mündler dem Rosso zugeschrieben wird. (Meyer, Künstlerlexikon,

 I. 447.) Denn besonders die Innenseiten der Clavierdeckel, die

man beim Musiciren aufgeschlagen vor sich hatte, wurden noch bis in's

17. Jahrhundert hinein mit musikalischer Mythologie geschmückt.

Bei einzelnen dieser Arbeiten werden uns auch die Gegenstände genannt.

 Gelegentlich sind es blosse Arabesken, meist aber erfahren wir,

dass die heitere classische Götterwelt sich diesen neuen Boden erobert.

Francesco d'Ubertini, genannt Bacchiacca, verzierte für Herzog Cosimo

von Medici ein Arbeitszimmer reich mit Vögeln und Laubwerk. (Bastiano

von Sangallo, IV. 385.) Timoteo delle Vitte malte innen in einem Secretär

(studiolo) im Palaste der Herzogin von Urbino einen Apoll mit zwei halbbekleldeten

 Musen. (Vincenzo von S. Gimignano, III. r. 30g.) Ein Hauptmeister

 dieses mythologischen Genre war aber der Phantast Pier di Cosimo.

Er malte unter Anderem im Hause des Francesco Pugliese rings an den

Wänden eines Zimmers viele Bilder mit kleinen Figuren und gefiel sich

dabei in den mannigfaltigsten neuen Erfindungen: Gebäude, Thiere, Kleider,

 Instrumente und andere Phantasien, welche ihm hier vielfach in den

Sinn kamen, "weil er seine Stoffe ganz aus der Fabelwelt wählten. (III.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.