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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 132)

luu

Das ganze grosse Local gegen die Lastenstrasse in diesem Stockwerke

 wird, inclusive eines Theiles der Halle gegen den Hof, zur Bildergalerie

 benützt, wohingegen die Localitäten gegen die Schillerstrasse für

die zweite Specialschule für Architektur bestimmt sind.

lch komme nun zum Il. Stock. Hier wurde das Verlangen an mich

gestellt, in sämmtlichen Localitäten gegen die Lastenstrasse, welche bekanntlich

 gegen Süden liegen, Nordlicht zu schaden. Dieses Verlangen

schien mir zuerst unmöglich zu lösen. Da aber das Stockwerk 4 Klafter

hoch ist, so wurde die mir zu Anfang unmöglich scheinende Aufgabe

doch dadurch gelöst, dass ich die Halle, welche den ganzen Hof entlang

geht, nur 10 Fuss hoch machte. Hiedurch gelang es nicht nur, Nordlicht

 zu verschaffen, sondern sogar auf beide Seiten eines jeden Ateliers

ein Fenster zu bringen, was den grossen Vortheil bietet, dass man in die

Lage kommt, nach Belieben von jeder Seite das Licht zu erhalten, da das

eine Fenster gegen Norden, das andere gegen Süden sich kehrt. Es steht

somit den betreffenden Künstlern frei, das eine oder das andere Fenster

zu schliessen.

Wie wir sehen, ruht das ganze Gebäude auf einem aus Wöllersdorfer

 Stein ausgeführten, ziemlich hohen Sockel oder Unterbau, auf welchem

 sich das Erdgeschoss und Mezzanin mit kräftigen Quadern und darauf

zwei Stockwerke erheben. Das Hauptportal in der Mitte gegen den

Schillerplatz hat drei Eingänge zum Vestibule und wird hervorgehoben

durch eine aus Trientiner Stein vorgestellte verkröpfte Säulenstellung

von sechs Säulen in dorischem Style, zwischen welchen nach Art der

Renaissance Bogenstellungen angebracht sind, deren Zwickel mit in M0-gritzer

 Stein ausgeführten Reliefs versehen, die sämmtlichen Lehrfächer

der Kunst darstellen. Diese letzteren sind von Herrn Bildhauer Düll

gefertigt.

Die auf den vier mittleren Säulen angebrachten Statuen sind von

Herrn Bildhauer Melnitz ky ausgeführt und stellen die bildenden Künste

vor: Architektur, Bildhauerkunst, Malerkunst und Graveurkunst, während

die zwei auf den Ecksäulen aufgestellten Statuen den ersten Künstler und

den ersten Kunstmäcen: Phidias und Perikles, darstellen und von

Herrn Bildhauer Pilz ebenfalls in Mogritzer Stein ausgeführt sind.

Bei Betrachtung der Facade gegen den Schillerplatz bemerkt man

sogleich, dass zu ebener Erde grosse Fenster mit breiten Pfeilern, dem

innern Zweck zufolge (es liegt hier die allgemeine Malerschule) zur Anwendung

 gekommen sind, während im Mezzanin, welches von den Kupferstechern

 und den Graveurs benützt wird, doppelt so viele Fenster angebracht

 sind.

Da nun in den beiden darüberliegenden Stockwerken die Ateliers

für die Maler sich befinden, welche ebenso, wie zu ebener Erde, grosse

Fenster mit breiten Pfeilern brauchen, so musste auf ein Mittel gedacht

werden, wie solches in ästhetischer Beziehung ermöglicht werden konnte.
            
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