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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 132)

Dieser Tendenz karnen nun aber die neuen in Italien eben erwachenden

Studien entgegen. Man las wieder allgemein die alten lateinischen Autoren;

die römischen Götter mit der bunten griechischen Mythologie verbrämt

und die halb sagenhaften, halb historischen Heldengestalten aus der Zeit

der römischen Republik belebten sich neu in den Gemiithern. Man war

gewiss froh, im Kunstgewerbe ein Feld zu entdecken, wo neben den

Stiftungen der strengen kirchlich-gottseligen Kunst man auch einmal ein

Dianenbad malen konnte.

Die Kunst, welche das Sinnliche lockend verführt, findet stets bei

Fürsten und bei reichgewordenen Bourgeois ihre Patrone. So war es auch

in Florenz. Ein untergeordneter Maler, aber ein gescheidter. Mensch, benützte

 diese Neigung der höheren Stände, um sich aus einer Gattung des

Kunstgewerbes eine Spezialität zu machen und ein reicher Mann zu werden.

 Es war Dello, der eigentlich als Thonbildner angefangen hatte. Er -

erkannte aber, dass dies nicht viel einbringe, und da er um seiner Arbeit

willen eines grösseren Gewinnes bedurfte, so beschloss er sich zur Malerei

zu wenden. Im Zeichnen hinlänglich geübt, gelang ihm dies sehr leicht

und er lernte schnell die Behandlung der Farben kennen, wie viele Bilder

beweisen, die er in Florenz verfertigte, vornehmlich solche mit kleinen

Figuren, bei denen er weit mehr Anmuth zeigte als bei den grösseren

Gestalten. Dies kam ihm sehr zu Nutzen, denn man fand zu jener Zeit

überall in den Zimmern der Bürger grosse hölzerne Truhen, die nach Art

der Särge auf dem Deckel mit mancherlei Zierathen versehen waren. Niemand

 unterliess es diese Truhen machen zu lassen und ausser den Bildern

an der vorderen Fläche und an den Nebenseiten wurde an Ecken, bisweilen

 auch an anderen Stellen, das Wappen oder Zeichen des Hauses angebracht.

 Die Bilder an der vorderen Seite stellten gewöhnlich Fabeln aus

Ovid und anderen Dichtern dar, Erzählungen aus lateinischen und griechischen

 Schriftstellern, oder sonst nur Jagden, Lustgefechte, Liebesabenteuer

 und ähnliche Dinge, was einem Jeden gerade am besten gefiel.

Das Innere war mit Leinwand oder Tuch gefüttert nach Stand und Vermögen

 dessen, der solchen Kasten verfertigen liess, um darin Tuchkleider

und andere Kostbarkeiten wohl zu verwahren. Ja nicht nur diese Kasten,

sondern auch Ruhebetten, Lehnstühle, Geländer und andere ähnliche Verzierungen

 der Zimmer, welche man damals sehr prachtvoll hatte, wurden

in solcher Weise verschönert, wie man dergleichen noch unendlich Vieles

in unserer Stadt (Florenz) sehen kann. Eine lange Zeit war dieser Brauch

so allgemein, dass selbst die vorzüglichsten Meister Werke der Art malten

 und vergoldeten ohne sich zu schämen, wie heutigen Tages viele thun

würden. Unter anderen schönen Werken beweisen dies noch zu unserer

Zeit einige Kasten, Lehnstühle und Gesimse in den Zimmern des Magnifico

Lorenzo des Aeltern von Medici, auf welchen Maler, die nicht zu den gewöhnlichen

 gehörten, sondern treEliche Meister genannt zu werden verdienen,

 alle Gefechte, Turniere, Jagden und sonstige Lustbarkeiten dar-
            
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