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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 170)

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Industrie und Gewerbe beitragen. Ich baue hiebei auf die fernere Mit- 
wirkung jener Factoren, welche das Zustandekommen dieser Anstalt er- 
  
möglichten, sowie auf das anhaltende werkthä ge Interesse der gewerb- 
lichen Kreise, welchen der Nutzen dieser Institution zugedacht istm 
Das Museum ist in den sehr zweckmassig adaptirten Parterre-Localitaten des Eck- 
hauses der Eschenbacbgasse und des Getreidemarktes untergebracht. Das genannte Ge- 
baude ist bekanntlich Eigenthum des n. 6. Gewerbevereins, eine architektonische Zierde 
Wiens. Das Gewerbemuseum verfügt dermalen über einen grossen Sammlungssaal , einen 
hohen geräumigen Saal für die mechanische Werkstätte und ein Zimmer für die Vor- 
träge im Parterre. Das Entresol besteht aus einem Zimmer, in welchem der Specialcurs 
für die Korbllechterei etablirt ist, und dem Zeichen- und Mikroskopirsaale. Ausserdem 
sind ein Bureau und mehrere Vorraume, sowie Depots im Souterrain vorhanden. Nur 
durch eine sehr geschickte bauliche Umgestaltung der früheren Gasaengewblbe war es 
möglich, genügende zweckentsprechende Localitaten zugewinnen. Der Museumssaal lasst 
in seiner Installation zwei grosse gesonderte Räume erkennen, von denen der eine mit 
der Werkzeugsammlung angefüllt ist, während der andere die Producte der holzverar- 
beitenden Gewerbe und Grossindustrien beherbergt. Den grüssten Theil der Werkzeug- 
sammlungen bildet die früher in Mariabrunn entstandene Lehrmittelsammlung der Lehr- 
kanzel für mechanische Technologie an der Hochschule für Bodencultur. Eine andere 
Zierde dieses Theiles der Sammlungen ist die Oollection von Muster-Werkzeugen des Han- 
delsministeriums. Beides, mit den hinzugekommenen neuen Erwerbungen, stellt wohl ein 
Unicum dar, eine nberreiche und cornplete Darstellung aller in allen Ländern der Erde 
für die Holzindustrie dienenden mechanischen Behelfe. Minder imponirend, aber dennoch 
reich an Lehrwerth besitzenden Obiecten ist die Sammlung von Rohstolfen, Halbfabri- 
caten und Erzeugnissen aus Holz, von welcher die dem Apotbekerverein gehörige, 800 
Nummern bestimmter Hölzer zahlende Collection eine Zierde bildet. ln der mechanischen 
XVerkstatte, welche eine Mustereinrichtung darstellt, treibt ein Otto'scher Motor von 6 
Pferdekraften die zur Einübung der Hörer der Specialcurse dienlichen Werkzeugmaschinen 
und die zur Ausstellung und Erprobung an die Anstalt kommenden neuen Maschinen. 
Im Entresol ist die wirklich grossartige Darstellung der Hausindustrien der österreichischen 
Provinzen, der sndslavischen Länder und des Orients aufgestellt. Auch die Korbflecht- 
Lehrwerkstatte verfügt über eine sehr bedeutende und. wie es scheint, sehr complete 
Sammlung von Mustern verschiedenster Provenienz. 
- Da die ofentliche Aufmerksamkeit sich in erfreulicher Weise dem gewerblichen 
Unterrichte zuwendet, durften folgende, die Unterstützung und Ueberwachung gewerb- 
licher Lehranstalten betreffenden Daten nicht unerwünscht sein: Einer Reihe von gewerb- 
lichen Unterrichtsanstalten, welche von Gemeinden, Corporationen oder Privaten erhalten 
werden und sich durch tüchtige Leistungen auszeichnen, sind im abgelaufenen Schuljahre 
vom Unterrichtsministerium bedeutende Zuschüsse bewilligt worden, so insbesondere der 
Baugewerkschule in Wien 5500 fl., der Gewerbeschule in Prag z5oo 6., der gewerblichen 
Fortbildungsschule in Laibach 2000 (1., den Schulen des Kdrnthner Gewerbeveneina 3200 11., 
der gewerblichen Zeichenschule in Triest und der Fortbildungssehule in Troppau je 
tooo fL- Ferner wurden Betrage zwischen 800 und ioo Gulden den verschiedenartigen 
gewerblichen Schulen in Sechshaus, Linz, Radstadt, Perra, Imst, Graz, Marburg, Ru- 
dolfswerth, Gottschee, Aussig, Beusen, Bodenbach, Budweis, Prag, Teplitz, Tetschen a. E., 
Würbenthal, Kolin, Jiöin und Lemberg zugewendet. Ausserdem fand eine bedeutende 
Anzahl gewerblicher Lehranstalten die Unterstützung des Unterrichtsministeriurns durch 
Betheilung mit Lehrmitteln. Von der Unterstützungswürdigkeit der einzelnen gewerb- 
lichen Lehranstalten überzeugt sich der Unterrichtsminister ausser durch die Wirksamkeit 
der regelmassigen Schulaufsichtsorgane durch Entsendung von Ministerialcommis- 
saren, welche specielle Fachkenntnisse besitzen. In solcher Eigenschaft hat im letzten 
Semester Schulrath Prof. Grandauer Tirol, Karnthen, Steiermark und Krain bereist. An 
einzelnen bedeutenderen gewerblichen Schulen fungirt neben den allgemeinen Aufsichts- 
organen ein besonderer fachlicher Aufsichtsrath; so ist an der Baugewerkschule 
in Wien vom Unterrichtsminister ein Aufsichtsrath eingesetzt, dessen Mitglieder die Ober- 
bauräthe Th. v. Hausen, F. Schmidt und H. v. Ferstel sind. 
(Orientalisches Museum.) Die Ausstellungsräume des Orienta- 
lischen Museums im neuen Börsengebäude am Schottenring, t. Stock, 
werden Anfangs d. M. dem Besuche des Publicums wieder eröffnet. Da- 
selbst befinden sich auch die Bureaux des Orientalischen Museums, sowie 
die Redaction und Administrationder wOesterr. Monatschrift für den Orientu. 
(Neu ausgestellt.) Eine Collection Antiquitäten von 22 Stück. Limosiner Emails, 
Silbergefnsse und getriebene Silberreliefs, Statuetten von Silber. Uhren etc.. Eigenthum
	        

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