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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 198)

Beilage zu Nr. 198

der

„Mittheilungen des k. k. Oesterreieli. Museums."

der Zeit des Auftretens Winsofs Znaim gar nicht verlassen hatte. Allerdings hat sich

aber Winzler Verdienste um die Gasbeleuchtung in Deutschland erworben und ein recht

interessantes Buch über diesen Gegenstand unter dem Titel: vDie Thermolampe in

Deutschland etc... veröffentlicht. -

Der Vortragende schloss mit einem Hinweis auf den stetigen und continuirlichen

Fortschritt, welchen die ganze Entwicklung des Beleuchtungswesens aufweist und sprach

die Ansicht aus, dass die Principien, welche der neuen elektrischen Beleuchtung zu

Grunde liegen, nämlich die Umwandlung der Warme in Arbeit und der Arbeit in Licht,

zweifellos in einer, vielleicht nicht fernen Zukunft als Krönung des Gebäudes zur Geltung

und Durchführung kommen werden. - Der von mehreren gelungenen Experimenten begleitete

 Vortrag hatte um der verhangnissvollen Rolle, welche die Gasbeleuchtung bei der

Ringtheater-Katastrophe vom 8. December spielte, von vornherein auf ein lebhaftes Interesse

 bei den zahlreich erschienenen Zuhörern rechnen können und spendeten dieselben

am Schlusse reichlichen Beifall.

- .

Ein noch gesteigertes actuelles Interesse kam aus demselben Grunde den beiden

Vortragen entgegen, welche Professor C. von Lützow am 26. Januar und am 9. Februar

mber die Reform des Theaterbauesu hielt.

Mit Recht bezeichnete der Vortragende sein Thema als eines der wichtigsten in der

gesammten Kunstgeschichte, und die Reform des Theaterbaues mit Rücksicht auf die Ringtheaterkatastrophe

 als eine der dringendsten Fragen der modernen Baukunst. Die Nothwendigkeit

 dies gegenüber der nach dem Schrecken bald wiederkehrenden Gleichmüthigkeit

immer wieder zu betonen, wachse mit der stets zunehmenden Gefährlichkeit unserer

'l'heatergebaude für das Publicum, eine Gefährlichkeit, welche durch die statistischen Nachweise

 des Ingenieurs A. Fölsch in schauererregender Weise zunehme. In nunmehr

erreichtem Verhältnisse von 1 : 30 sind in den letzten hundert Jahren 523 Theater durch

Brand vollständig zerstört worden und stellt sich jetzt die durchschnittliche Lebensdauer

eines Theaters nur auf 21 Jahre heraus. Der Ursprung der meisten Theaterbrande ist

auf der Bühne zu suchen; bei ihrer Unrnasse brennbarer Stoffe, bei dern leichtsinnig zu

nennenden Spiel mit Feuer bei einzelnen Aufführungen, bei dem gewaltigen Luftzug vom

Bühnenraume nach der Oelfnung über dem Kronleuchter im Saale u. s. w. ist ein dort

entstehender Brand geradezu fast unlöschbar. Die zunehmende Gefahr liegt nach dem

übereinstimmenden Urtheile unserer tüchtigsten Baumeister unter Vorantritt von Baron

Ferstel nicht in der Kopflosigkeit des Bühnenpersonales und des Puhlicums, die immer

gleich blieben, und in einigen verhangnissvollen Zufallen, sondern in dem chronischen

Uebel, welches der ungelöste Contlict zwischen dem rapid sich entwickelnden Bühnenwesen

 und dem seit Jahrhunderten stabil gebliebenen Bau des Zuschauerraumes in

sich schließt.

Professor Lutzow lieferte hierauf eine ausgezeichnete Entwicklungsgeschichte des '

Theaterbaues vom Alterthum bis in die Neuzeit, hiebei ausgehend von der richtigen Anschauung,

 dass die Architekturgeschichte im Allgemeinen noch viel zu sehr als Stylgeschichte

 gelehrt werde, während vielmehr hervorzuheben ist, dass sich die Menschheit

auch in diesem Fache gewisse Typen gleich Grundwahrheiten geschaffen habe, die sich

nicht andern und verletzen lassen, bei aller Aenderung des übrigen Lebens. Er schilderte

unter geistvollen Hinweisungen auf die Literatur zuerst das griechische Theater von seinem

ersten Stadium eines Brettergerüstes vor dem Thespiskarren bis zur Ausgestaltung mit

Hebe- und Flugmaschinen, Theologeion, Donner und Blitz u. s. w. Gleichwohl blieb dem

attischen Theater ein gewisser einfach plastischer idealer Charakter gewahrt, eine festlich

gestimmte Menge weihevoll zu unterhalten. Die Römer brachten durch das Aneinanderschließen

 von Bühne und Zuschauerraum und die Umgestaltung des früher an natürliche

Terrainbildung sich anlehnenden Baues in einen vollständigen Freibau eine der colossalsten

Neuerungen in der Architektur zu Stande. Das Problem, die Circulationsfähigkeit des

Publieums zu steigern wurde niemals besser gelöst, als in dieser römischen Umwandlung

der Cavea in ein wunderbares System von Gängen und Treppen, so dass die Faende

nur die natürliche Oeifnung dieses Systems von gewölbtem Vestibul, Gingen und Treppen

darstellte, wobei die griechischen Saulenordnungen zum Schmuck verwendet wurden.

IX. Bd. 188a. Ö
            
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