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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 198)

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Die Theater des Mittelalters und der Renaissance hatten manche wichtige Elemente

mit dem antiken festgehalten; ersteres durch natürliche Vererbung, so den religiösen

Charakter der Vorstellungen nur zu bestimmten Festlichkeiten, mehrere kleine Hinterbühnen,

 Seitenstraßen, Balcone und den Chor, wie all' dies in schönster und wahrhaft

wirksamer Weise noch restweise in Oberammergau sich erhalten hat. Die Renaissance

brachte mit dem antiken Drama auch das antike Theater in Uebung und Palladio's Teatro

olympico zu Vicenza gibt noch ein Bild dieser Art von Theater.

Das moderne Theater hat nun mit dem mittelalterlichen gar nichts gemein. Eine

Schopfung der letzten zweihundert Jahre, ist es holisch und weltlich geworden, und die

Grundform ist die Saalgestalt von Logen und Galerien umgeben. Der innige Zusammenhang

 dieser stabilen Form mit der rapid sich entwickelnden Bühne birgt die Wurzel alles

Uebels. lm Vergleich mit der denkbareinfachsten Gestaltung des Shakespearcfschen Theaters,

welche aber eben dadurch die einbildsame Kraft der Zuschauer in Anspruch nahm, ist

heute auch zum Nachtheil der literarischen Production, Dichter und Publicum von der

mechanischen Ueberfülle der Decoration zu sehr in Beschlag genommen. Der Zuschauerraum

 wurde naturgemäß in Folge der Vertiefung der Bühne und deren Umgestaltung zu

einem Guckkasten immer mehr in die Länge gezogen, und überdies lauft nach französischer

 Manier das ganze Treppensystem in einem großen Vestibule concentrirt zusammen,

 so dass im Momente der Gefahr Stauungen des Publicums ganz unvermeidlich

sind. Glücklicher Weise haben sich bereits seit der ersten Halfte unseres Jahrhunderts

gediegene Architekten mit der unabweisbaren Regelung dieser Schwierigkeit beschäftigt,

den alt gebliebenen Zuschauerraum der stets sich verjüngenden Bühne entsprechend

zu accomodiren. Nach dem Italiener Giorgi haben sich die Deutschen Moller und

vor Allem Semper in seinem alten und noch besser im neuen Dresdener Theater in

dieser Beziehung die großten Verdienste erworben. Unter Sempefs Einfluss entstand

das musterhafte Bayreuther Theater und vollends das im Bau begriffene Wiener Burgtheater

 von Semper und Hasenauer ist wohl in Bezug auf Decentralisation des Treppensystemes

 die glücklichste Lösung der modernen Theaterbaukunst,' zu der wir uns nur

gratulieren können. Gleichwohl ist es möglich und geboten, in dieser offenbaren Annäherung

 an den antiken Theaterbau noch einen Schritt weiter zu gehen und Professor Konig

von der technischen Hochschule hatte so zu sagen als Wegweiser für die Bauentwickelung

der nächsten Zukunft, für Lützows Vortrag einen sehr instructiven Plan eines Theaters

gezeichnet. Die l-lauptgesichtspunkte für das künftige Theater sind hiemit in folgender

Weise normirt: t. ein vollständiger Freibau; 2. größere Abtrennung der Bühne vom

Zuschauerraum; 3. Aufbau des letzteren in amphitheatralischer Form. Die Anlage der

Treppen an der Peripherie dieses amphitheatralischen Raumes scheint noch besonders

gelungen und wir können nur wünschen, dass sich die Fachmänner zur Prüfung und

eventueller Weiterbildung von Königs Plan bestimmt sehen mochten. Es braucht kaum

noch besonders erwähnt zu werden, dass die Zuhörer für den reichen lnhalt und die

glanzende Art des Vortrages am Schlüsse rauschenden Beifall zollten.

o

Ueber nGewerbe und Schule: sprach am 2.3. Februar d. J. Herr Director Wilda

aus Brünn:

Die Gewerbefrage ist in ihrem Kerne eine Erziehungsfrage. Die heutige Gewerbeordnung,

 deren überstürzte Einführung ein Danaergeschenk für den Gewerbestand war,

hat die Erziehung des gewerblichen Nachwuchses ganz dem Zufall anheimgestellt. Ohne

irgend welche Cautelen werde die Erziehung dem ersten Besten überlassen, der ein Gewerbe

 anmeldet. Der Stümper erzieht wieder Stümper und die Stümper discreditiren den

Markt der soliden Arbeit, das ist die berechtigte Klage des Gewerbestandes,

Aber wenn auch in Rücksicht auf die heutige bedrangte Lage des Gewerbestandes

 eine Beschränkung der Gewerbefreiheit zugestanden werden mag, so ware es

Täuschung zu glauben, das diese Beschränkung sich auf die Dauer aufrecht erhalten

ließe. Denn der eigentliche Sitz der Krankheit liegt in den geänderten Zeitverhältnissen.

Die Freizügigkeit, die leichte Ortsveranderung, die Praponderanz der großen Städte, die

Ausdehnung des Marktes, die internationale Concurrenz, das Maschinenwesen, die Specialisirung

 der Arbeit haben die Gtundbedingungen der Production geändert. Der Erwerbszweck

 ist in der Gewerbewerkstatt in den Vordergrund getreten und hat den Unterrichtszweck

 in den Hintergrund gedrängt; daher genügt die heutige Werkstattlehre als solche

nicht mehr zu einer Heranbildung eines tüchtigen Handwerkerstandes. Man hat nun

vorgeschlagen, die Aufgabe der handwerksmaßigen Ausbildung der Lehrlinge besonderen,

 lediglich diesem Zwecke dienenden Werkstätten, den Schul- oder Lehrwerkstatten

zuzuwenden, dieser an sich vortreffliche Gedanke ist aber in dieser Allgemeinheit in Rücksicht

 auf den Kostenpunkt unrealisirbar, wie im Einzelnen nachgewiesen wird. Die

Schulwerkstatt werde immer nur in geringer Zahl und mit der enger begrenzten Aufgabe,

pem Gewerbe in ästhetischer Richtung oder in Präcision der Arbeit die Bahn vorzu-
            
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