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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 204)

"AUU

gruben indessen bald seine Gesundheit und brachten ihm schon am

13. März 171g nach kurzem eigentlichen Kranksein den Tod.

Von den Böttgefschen Vorschriften zur Porzellanbereitung ist heute

nichts Schriftliches mehr erhalten. Die Massenzusammensetzung wurde

derart geheim gehalten, dass Niemand in der Fabrik Zutritt zu den

Räumen hatte, wo Böttger und die ihm eidlich verbundenen Gehilfen

die Mischung vornahmen, ja diese selbst dem Director Nehmitz großentheils

 Geheimniss blieb. Alles lag in Böttgefs Händen.

Dafür fand aber auch die nach seinem Tode iniedergesetzte Untersuchungscommission

 die Fabrik in einem schrecklichen Zustande, den

sie "dem unartigen, veränderlichen Sinne, der üblen Wirthschaft und dem

übermäßigen Trinken Böttgersu zuschrieb - und konnte nur mit der

größten Mühe Ordnung in das Chaos bringen. Erst als 1720 dem nachherigen

 Bergrath Herold die Direction der Fabrik übertragen wurde,

nahm dieselbe einen wirklichen und rapiden Aufschwung. Böttgefs Masse

zeigte den Uebelstand, im Feuer gerne zu reißen, so dass größere Gefäße

 nicht hergestellt werden konnten. Der ursprünglich mit angewandte

weiße Colditzer Thon wurde von nun an ganz eliminirt und nur n1it

Aue'schem Kaolin gearbeitet. Die Decoration des Porzellans, die bisher

großentheils von Dresdner Malern und Vergoldern besorgt worden war,

ließ man von nun an in der Fabrik selbst durchführen. Herold erfand

die Blaumalerei, die seither eine der Forcepartien der Manufactur geblieben

 ist. Vertraut mit der Bereitung feuerfester Farben (die ja die

Glas- und Emailmalerei schon verwendete) konnte Herold bald auch die

Buntmalerei in Meißen ' zu Stande bringen. Man emancipirte sich von

den chinesischen Formen, acquirirte x7i3 den geschickten Bildhauer

Kändler als Lehrer der Modellirkunst, der nun der ganzen Fabrication

ein neues Gepräge gab, sie in wenigen Jahren zum Weltruf brachte.

Das Personale stieg von 26 auf 378 Köpfe, 1752 betrug die Einnahme

222'560 Thaler. Der eben herrschende Rococostyl mit seinen Schnörkeln

und geschwungenen Linien, frei losgelöst von den Banden starrer Symmetrie,

 launenhaft, willkürlich und dadurch eben für das weiche, im

Feuer leicht deformirte, schwer in gerade Formen und Linien zu

zwingende Porzellan geeignet, bürgerte sich ganz und gar in allen Erzeugnissen

 der Meißner Manufactur ein. Den größten Ruf erwarben sich

die Plastiken von der Hand Kändlefs, jene bekannten, zart in Farbe

gesetzten kleinen Gruppen - mythologische Darstellungen, Schäferscenen,

Thier- und Jagdgruppen, Allegorien etc. - kurz Gegenstände der Klein-Plastik,

 für welche das Porzellan mit seiner zarten, eine zierliche Ausführung

 gestattenden Masse, seiner feinen, nirgends die Formen abstumpfenden

 Glasur eben das günstigste Materiale ist.

Heute gehören die Meißner Producte jener Periode - das vieux

Saxe - zu den gesuchtesten Artikeln des Antiquitätenhandels und bilden

Wiederholungen derselben bis nun, trotz des im Allgemeinen über-
            
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