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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 205)

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Collection von Terracotta-Büsten; durch die beiden erwähnten wird 
diese Sammlung um zwei geistvoll ausgeführte Kunstwerke bereichert. 
Seine Jugendzeit hat J. E. Böhm im Hause seines Vaters, des berühmten 
Kunstkenners und Medailleurs Daniel Böhm zugebracht. Bei diesem, sowie 
in dem Atelier des Medailleurs Prof. Karl Radnitzky empfing er seine 
Kunstbildung. Ursprünglich sollte er sich demselben Kunstzweige widmen, 
in welchem sein Vater sich ausgezeichnet hat. Schon in jungen Jahren 
ging J. E. Böhm nach England, und von London aus nach Paris. Da- 
selbst lernte er seine Frau kennen, und nahm in London seinen stabilen 
Aufenthalt. Die Liebenswürdigkeit seines Charakters und sein ungewöhn- 
liches Talent verschafften Böhm bald eine angesehene Stellung in der eng- 
lischen Gesellschaft. Mit seinen Werken trat er jener Kunstschule der eng- 
lischen Bildhauer, welche der antikisirenden Tradition der älteren Bild- 
hauerschule Englands angehörten, mit größtem Erfolge entgegen. Die 
feinere Kunstbildung die er vom Hause nach England xnitbrachte, be- 
wahrte ihn in seinen künstlerischen Leistungen vor dem rohen Natura- 
lismus, der insbesondere in der modernen italienischen Sculptur herrscht. 
Und so ist sein Thomas Carlyle, lebendig, charakteristisch und vornehm 
in der Auffassung, ganz geeignet, Böhm ein bleibendes Denkmal seines 
künstlerischen Wirkens in seiner Vaterstadt zu geben, und anregend auf 
alle zu wirken, welche sich für Plastik interessiren. Auch die technische 
Behandlung der Terracotta ist in den Werken Böhm's musterhaft. Die 
glänzenden Eigenschaften seiner Kunstwerke bestimmten die Jury der inter- 
nationalen Kunstausstellung, ihm mit Stimmeneinhelligkeit die goldene 
Staatsmedaille zu votiren. Er war auf der internationalen Ausstellung der 
einzige Vertreter Englands. 
Außer den Werken J. E. Böhm's hat das Oesterr. Museum auf der 
internationalen Ausstellung zwei Porträtstiche Gaillard's (Papst Pius IX. 
und Papst Leo XIII.) erworben - das Porträt des Papstes Pius IX. ist 
ein Geschenk des Curators Grafen Edm. Zichy - und siebenundzwanzig 
Gussmedaillen des Medailleurs Daniel Dupuis in Paris. R. v. E. 
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Staatsankäufe auf der ersten internationalen Kunstausstellung 
in Wien. 
Das k. lt. Unterrichlsministerium hat von den auf der ersten internationalenKunst- 
ausstellung in Wien ausgestellten Werken die nachstehend verzeichneten angekauft: 
a) Oesterreichische Abtheilung. Hugo Charlemont: nStillleben- (Oel- 
gemälde); Anton Kozaltiewicz: x-Polnische Juden in der Synagogen (Oelgemälde); Johann 
Klaus: ul-lochwildu (Radirung). 
b) Belgische Abtheilung. Theophile Lybaert: -Die heil. Elisabeth von Ungarn- 
(Oelgernälde); Edmund de Schampheleer: nDie Scheide bei Wetteren- (Oelgemälde). 
c) Deutsche Abtheilung. Ferdinand Keller: wHero und Leander- (Oelgemälde); 
Max Michael: oWaldidyllee (Oelgemälde); C. Ernst Forberg: Radirung nach Andreas 
Achenbach; Rudolf Stang: v-Fornnrinaw (Stich nach Rafael Santi).
	        

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