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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 205)

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Ringler, verdrießlich darüber, verließ Höchst und wendete sich

nun unstät von einem Ort zum andern, zunächst nach Frankenthal, wo

er mit dem Kaufmanne Hannung 1755 eine Porzellanfabrik errichtete,

die später von Carl Theodor, Kurfürsten der Pfalz, angekauft wurde, 1800

bei dem Einfalle der Franzosen aber wieder einging.

1747 wurden zu Neudeck in Baiern mit der Erzeugung von Porzellan

 Versuche angestellt, die jedoch erst zu günstigem Resultate führten,

als 1756 Ringler hinkam und die Fabrik organisirte. Zwei Jahre darnach

wurde sie vom Kurfürsten Carl Theodor in's Schloss Nymphenburg nächst

München verlegt.

Nach dem Eingange der Frankenthaler Fabrik erhielt sie die besten

dortigen Arbeiter und schwang sich bald zu glänzenden Leistungen auf.

Die Nymphenburger Fabrik, die noch heute besteht, excellirte namentlich

in Porzellangemälden, Copien classischer Werke der Münchner Gallerien.

Ihre Fabricate tragen als Zeichen das baierische Wappen oder zwei verschränkte

 Dreiecke, das Freimaurerzeichen in Blau.

Gleichfalls durch Ringler war 1758 eine Manufactur zu Ludwigsburg,

 weiters zu Fulda; durch Ringlefsche Arbeiter solche nacheinander

zu Zürich, Amsterdam und im Haag zu Stande gekommen.

175i errichtete auf Grund von Recepten aus den Händen Ringlerscher

 Arbeiter, der Kaufmann Wegely zu Berlin eine Fabrik, die später

Staatsbesitz geworden, sich in die Reihe der besten Etablissements hob

und heute in der That die erste deutsche Porzellanfabrik ist.

1735 hatte der Marquis Carlo Ginori zu Doccia bei Florenz mit

der höchsten Energie die Errichtung einer Porzellanfabrik angebahnt, um

auf diesem modernen keramischen Gebiete den alten Ruhm Italiens wieder

zu erneuern.

Ein eigenes Schiff wurde ausgerüstet, das die Original-Materialien

aus China bringen musste, mit denen dann die Studien und vergleichenden

Versuche in solchem Maßstabe angestellt wurden, dass in den ersten

Zeiten ndie Trümmer der im Formen, im Feuer oder der Farbe misslungenen

 Proben den ganzen Boden der Umgebung pliastertenu. "Ihr

schreitet auf Golda, pHegte der Marquis seinen Arbeitern zu sagen, indem

er auf die Scherben wies, die unter ihren Füßen krachten. Doch wurde

endlich mit Hilfe des aus der Wiener Fabrik geholten Chemikers Wandelhein,

 unter Anwendung der französischen Kaoline von St. Yrieux, das

gewünschte Resultat erreicht. Fortgesetzte große materielle Opfer, die

Heranziehung der besten künstlerischen und technischen Kräfte und vor

Allem die verständige Leitung des Marquis Carlo und seiner Nachfolger

brachte das Etablissement in der Folge zu üppiger Blürhe, Heute umfasst

die Fabrik, ausgedehnt auf alle Zweige der Kunstkeramik, mit 560 Arbeitern

 ein Areal von 45.000 Quadratmetern.

Aus der gegebenen historischen Skizze der rapiden Ausbreitung der

Porzellanfabrication innerhalb weniger Jahrzehnte (die noch dazu bedeu-
            
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