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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 220)

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I. Der Neuhau des Stadtthaaters in Raichenburg.

Die Ausführung des am 28. September l. l. feierlich eröffneten, von

den Wiener Architekten Fellner und Helmer projectirten Gebäudes

 wurde im Spätherbste 188i von der Reichenberger Baumeisterfirma

 nSachers und Gärtnern begonnen.

Das Object hat 1172 Quadratmeter verbaute Fläche und kostet

exclusive der Einrichtung 236.000 fL, mit derselben wohl an 300.000 H.

Der Bau erreichte im Anfangsjahre noch die Sockelhöhe; doch hatte

der Unglücksfall im Wiener Ringtheater auch hier manche Aenderung

zur Folge, so dass durch die Vermehrung der Stiegen, Corridore und

Ausgänge der ursprünglich auf m38 Personen berechnete Fassungsraum

auf nur 880 herabsank.

Rüstig ging's im Frühjahre 1882 unter der umsichtigen Bauleitung

des energischen Architekten F. Hintsche aus Wien vorwärts, und ehe

der Herbst abermals kam, war nicht nur das Dach eingedeckt, sondern

im Keller functionirte bereits die von der Wiener Actiengesellschaft

für Gas- un d Wass erleitung eingerichtete Luftheizung (System Paul),

so dass den ganzen Winter im Inneren gearbeitet werden konnte. Dies gilt

besonders von den Decorationsarbeiten, welche Reinhold Völkelt, Bildhauer

 in Wien, mit vielem Geschick durchführte. Auch der äußere figurale

 Sandsteinschmuck wurde von Völkelt nach Entwürfen und Modellen

des Wiener Bildhauers Bendel angefertigt. Gleichzeitig geschah der

Logen- und Gallerieeinbau, so dass vom reichgezierten Plafond abwärts

die Stuccoarbeiten ungestört fortschreiten konnten. Hierbei soll der beiden

Bildhauer Ferdinand Czastka und JosefHoffmaun gedacht werden,

welche von der Reichenberger Baugewerkenschule vorgebildet, die Vollendungsarbeiten

 selbstständig durcbführten.

Die Bühneneinrichtung lieferte complet C. Barrot, Maschinen-Inspector

 des Burgtheaters in Wien; die Decorationen die in Wien rühmlichst

 bekannte Firma: Burghardt, Brioschi und Kautzky. Alle

Decorationen und alles Holzwerk wurde imprägnirt nach System Scherer

in Wien; den prächtigen Vorhang (7z Quadratmeter) lieferten zwei ehemalige

 Schüler der Wiener Kunstgewerbeschule am k. k.Oesterr. Museum.

Matsch und Klimt, welche damit ihre volle Meisterschaft bekundeten,

Die Marmorirnitation von Säulen, Lesenen, Stiegenbriistungen etc. besorgte

 der Bildhauer Hauer aus Dresden; die eiserne Courtine mit denkbar

 einfachstem Mechanismus lieferten Potthof und Golf in Berlin. Die

Wasserleitung wurde ebenfalls von der früher genannten Wiener Actiengesellschaft

 besorgt, und ist hierbei besonders Ingenieur Pfeiffer zu erwähnen.

 Die Gasleitung und Lieferung aller sehr gelungenen Beleuchtungsgegenstände.

 besorgte das Reichenberger G a s w e r k (Director

Schöne), die diversen telegraphischen Feuerallarmvorrichtungen und die

elektrische Entzündung des großen Lusters und Sonnenbrenners der Rei-
            
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