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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 220)

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Kleine Schriften von Gottfried Semper, herausgegeben von Manfred 
und Hans Semper. Berlin und Stuttgart, W. Spemann. 1884. 
Diese Publication wird in allen Kreisen mit größter Befriedigung aufgenommen 
werden. Wir werden auf einige Abhandlungen, welche sich auf Kunstgewerbe beziehen, 
noch ausführlicher in diesem Organe zurückkommen. Trotzdem können wir nicht umhin, 
dieselbe als eine etwas unvollständige ansehen. Wir hoffen, dass eine vollständige Wieder- 
gabe der Brochure über ndie vier Elemente: und v-Wissenschaft, lndustrie und Kunst- 
nicht lange auf sich warten lassen wird. Noch bedauerlicher ist die Mittheilung, dass die 
begonnene Prachtausgabe der Zeichnungen und Entwürfe Semper's wvegen mangelnder 
Theilnahme und Unterstützung vorläufig wieder eingestellt werden musste-r. Was sollen 
uns alle Bemühungen zur Aufrichtung eines Semper-Denkmals, sei es in Rom, Dresden 
oder in Wien, bedeuten, wenn die deutschen Kunstfreunde und Architekten die Kosten 
des Unternehmens einer Prachtausgabe der Semper'schen Werke nicht decken können. 
Uns dünkt, dass eine solche Ausgabe das würdigste Denkmal für G. Semper wäre. Für 
das was nöthig ist, ist in unseren Tagen selten Geld aufzutreiben. E. 
v 
Schoenlaub, Jos.: Musterblätter für technische Schulen. München, 
R. Oldenburg, 1883. Fol. 8 Mk. 
Referent scheut nicht das Geständniss, dass er bei der gegenwärtigen Ueberpro- 
duction an Zeichenschulen und Vorlagewerken schon jedes neue derartige Werk mit 
Misstrauen zur Hand nimmt und zumeist mit einem gewissen unbehaglichen Gefühl der 
Uebersattigung wieder weglegt. lmmer und immer wieder dieselben Figuren, einmal 
groß, das andere Mal klein, einmal schwarz, dann wieder grell gefärbt ansehen zu müssen, 
gewahrt keinen besonderen Genuss. Ganz Anderes gilt von dem obengenannten Werke, 
das durch seine Trefflichkeit eine ganze Reihe in Verwendung stehender Zeichenschulen 
verurtheilt, indem es documentitt, wie deren Herausgeber geradezu blind an den Orna- 
mentmotiven aller Art vorübergehen, die sich ihnen selbst in kleinen Kunstsammlungen 
in Hülle und Fülle darbieten. Schoenlaub bringt auf 36 Tafeln I2 Muster von Flach- 
ornament, I2 Muster von plastischen Decorationen in Holz und Stein und I2 Vorlagen 
von Kunstschmiedearbeiten, alles mit ausgezeichnetem pädagogischen Blick von Gemälden, 
Stichen und kunstindustriellen Objecten der Münchner Sammlungen abgelesen. Jeder 
Kunstfreund wird die hier dargestellten Formen mit Vergnügen betrachten und jedem 
Lernenden wird durch die präcise, ziemlich groß ausgeführte Zeichnung das Wesen der 
betreffenden Ornamente klar gemacht, sein Auge geschult, an Kunstobjecten Aehnliches 
herauszufinden und durch die unmittelbare Beziehung zum Handwerk sein Interesse von 
vornherein gewonnen und festgehalten. Kurz, diese Musterblätter gehören zu dem Besten, 
was in dieser Richtung veröffentlicht wurde, und in der Ueberzeugung, dass jede Zeichen- 
und Fachschule dieses Werk hinfort als unentbehrliches Lehrmaterial ansehen muss, 
wünschen wir, dass sich Herr Schoenlaub zu einer Fortsetzung entschließen möchte. 
Ch. 
s 
-- Der Kirche nscb muck, "Blätter des christlichen Kunstvereines der Dibcese 
Seckauu, beginnt im nächsten Jahre seinen fünfzehnten Jahrgang. Er ist von 
Dr. Joh. Graus trefflich redigirt, mit Illustrationen versehen, und ist allen bestens zu 
empfehlen, die sich für christliche Kunst interessiren. Die Redaction befindet sich in 
Graz im Priesterhause. Den Druck besorgt die Buchdruckerei Styria in Graz. 
s 
- Das Klöppelbuch der Sarah Rasmussen (Kopenhagen, Verlag von Höchst 
1884) mit ro Photographien, zwei lithographirten Tafeln und Holzschnitten gehört zu 
den besten modernen Klöppelbüchcrn. Frau Sarah Rasmussen ist Mitarbeiterin der Zeit- 
schrift IDer Bazarc. Die Zeichnungen, Abbildungen und die Beschreibung der Klüppel- 
technik sind sehr gut. 
- Dr. EdwardTayloHs vEinleitung in dasStudium derAnthropologie 
und Civilisationu, deutsche autorisirte Ausgabe von G. Siebert. Allen, welche sich 
für die Entwicklung der menschlichen Cultur, speciell auch der Künste und Handwerke 
interessiren, ist das Werk E. Taylor's bestens zu empfehlen; es ist von einer Fach- 
autorität ersten Ranges klar und verständlich abgefasst, so dass es als ein Musterwerk für 
eine populäre wissenschaftliche Arbeit angesehen werden kann. Das Werk ist mit 
78 Holzschnitten versehen. ' 
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