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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 220)

Die Preisjury für die Weihnachts-Ausstellung hat folgende

Auszeichnungen zuerkannt: A) Das Diplom des Oesterr. Museums:

Hrn. Johanndaschke, Juwelier in Wien, für Schmuckgegenstände; Hrn.

Carl Gaspar, Mübelfabrikant in Wien, für Möbel mit Intarsien; Hrn.

Ertl in Eger, für gravierte Zinngefäße und Schüsseln. - B) Die Medaille

des Oesterr. Museums für Mitarbeiter wurde zuerkannt: Hrn. Architekten

Leopold Theyer in Wien, flir Zeichnungen verschiedener kunstgetverblicher

 Objecte; Hrn. Prof. Salb in Salzburg, für Decorationsentwürfe

eines durch L. Lobmeyr ausgeführten Glasservices; Hrn. Johann Hrdliczka,

 Zeichner in Wien, für Zeichnungen verschiedener von Frau R.

Heller ausgeführten Leinenstickereien.

(Vergrosaerung des Oesterr. Museums.) An eine ehrenvolle Besprechung des

neuen Bibliothekskataloges knüpft der Referent der i-Wiener Allgemeinen Zeitung-(G.

 December), Herr Alfr. v. Wurzbach, eine Reihe sehr beachtenswerther Bemerkungen,

 zunächst über die vollständige Unzulänglichkeit der Localitaten der Museums-Bibliothek

 und fahrt dann fort:

Ein Zubau ist für das Museum heute bereits dringend nothwendig; die knapp

bemessenen Raume machen sich sowohl in der Kunstgewerbeschule als auch in dem

Museum selbst bei jeder Gelegenheit fühlbar, und wenn an leitender Stelle irgend eine

Angelegenheit herzhaft nnzufassen ware, so wäre es vor allem Anderen die Vergrößerung

dieses Instituts durch einen entsprechenden Zubau. Wir halten es für überflüssig, hier

noch Worte über die Ersprießiichkeit oder über die Zweckdienlichkeit dieses Institutes

zu verlieren; wir haben oft genug darüber gesprochen und bei jeder Gelegenheit darauf

hingewiesen; wem der Aufschwung auf allen Linien kunstgewerblicher Thätigkeit nicht

schon aus der Besucherzahl der Bibliothek einleuchtet, dem bessere Argumente dafür

vorzuführen, dürfte schwierig sein. Vielleicht dämmert auch uns einmal der Tag, an

dem wir im Budget eine nennenswerthe Summe für Kunstzwecke eingestellt selten;

vielleicht! Die preußische Regierung hat soeben für außerordentliche Ausgaben die

Bagatelle von zwei Millionen Mark normirt. Dies konnen wir ihr allerdings nicht nachmachen.

 Aber es ist unangenehm, immer nach Berlin weisen zu müssen, wenn irgend

eine vernünftige Ausgabe gemacht wird, und von uns zu sprechen, wenn die Millionen

für Gebäude votirt werden, die wahrlich billiger und zweckentsprechender herzustellen

gewesen wären. Man baue vor Allem das, was nöthig ist, und ein Ausbau des Oesterr.

Museums ist heute eine Nothwendigkeit. Die Summen, welche Deutschland für Kunstzwecke

 in der Art verwendet, wie es dort thatsächlich geschieht, werden der fruchtharste

Dünger, mit dem es dem Lande neue Kraft und Nahrung zuführt. Künstlerisches Verständniss

 veredelt den Geist der Völker, starkt die Productionskraft, hebt den Nationalwohlstand

 und entwickelt die Individualität des einzelnen Arbeiters auf allen handwerklichen

 Gebieten. Es macht ihn der Bildung und Wissenschaft zugänglich und scbaiTt

aus dem vagabundirenden Proletarier einen scsshaften Mann, dessen Arbeit besser bezahlt

wird als jede andere. Die Pflege der schönen Künste von Seite des Staates stärkt somit

das conservative Element und vermehrt die Classe der steuerzahlenden Bürger. Es wäre

lächerlich, wenn wir den Vorgängen im Deutschen Reiche auch nur die geringste Aufmerksamkeit

 widmen würden, wenn diese und andere in den jüngsten Jahren votirte

Millionen keinen anderen Zweck gehabt hatten, als in Berlin Museen zu schaffen, welche

dort vor zehn Jahren noch nicht existirten. Darum handelt es sich jedoch nicht oder

wenigstens erst in zweiter Linic. Diese Museen, diese Ankäufe, von und über welche

man allerorten spricht und schreibt, die sind nur das Mittel zum Zweck; der Zweck

aber ist ein politischer, ein staatsmännisch weiser, und darum sehen wir uns genöthigt.

von den enormen Summen zu sprechen, welche Deutschland auf die Pflege der bildenden

Künste verwendet. Nicht um die Anzahl der Bande einer Bibliothek oder um die Zahl

der Kasten und Lesesäle des Museums dreht sich die Sache, sondern um Diejenigen, die

dieselben benützen, und um das, was sie vermoge dessen einmal für den Staat wcrth

sein werden.

Der preußische Staatshaushaltsetat für das Jahr i884]85 fordert für Kunstgewerbe

 eine über den gewöhnlichen Etat hinausgehende Summe von 6,zt6.3t3Mk.,

davon nicht weniger als 2,ooo.ooo Mk. zur Vermehrung der Sammlungen der k. Museen.

(Vom Bürgermeister der Stadt Wien.) Der Director des Museums hat am

u. December aus Anlass des siehzigsten Geburtsfestes des Bürgermeisters der Stadt

Wien, Herrn Eduard Uhl, ein Gratulationsschreiben gerichtet, welches derselbe mit

einem Briefe erwiderte, in demselben der Versicherung Ausdruck gebend, dass es ihm

stets zur größten Freude gereichen wird, die Kunstgewerbe Wiens nach Kräften zu fördern.
            
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