weil die Zahl der Aussteller um so viel größer wurde - bei der ersten Ausstellung
erschienen x40, heuer bei der zehnten x54 - sondern weil jeder
Einzelne immer größeren Raum beanspruchte, ganze Zimmer mit ihrer
Inneneinrichtung in die Exposition aufgenommen wurden und eine räumliche
Beschränkung immer schwieriger zu werden begann, trotzdem dass
die Jury von Jahr zu Jahr ihres Amtes strenger waltete. Eine Beschränkung,
die sich als durchaus nothwendig herausstellt, müsste auf Grundlage
neuer Statuten beschlossen werden, so dass jedem Aussteller nur
ein gewisser Raum und nur eine Auswahl des Besten auszustellen erlaubt
wäre.
Wer sich jedoch der ersten Ausstellung erinnert, wird zugeben
müssen, dass sich im Allgemeinen die Production gehoben hat und dass
srylistisch tadellose Stücke, die anfangs nur sporadisch erschienen, nun,
in genügender Anzahl vorhanden, keineswegs mehr wie früher aus der
Masse des Mittelguten hervorleuchten.
Wollen wir das neue Gute, sei es der Art oder der Ausführung
nach, hervorheben, und nur auf das Neue müssen wir uns beschränken,
so fällt zuerst bei Karl Lustig, der mit seinen tauschirten Arbeiten in
Silber schon lange einen bedeutenden Rang in der Wiener Kunstindustrie
einnimmt, eine glückliche Verwendung orientalischer Motive auf, eine
Frucht der historischen Ausstellung zur Erinnerung an die Befreiung
Wiens im Jahre 1683. Lustig entnahm den dort ausgestellten orientalischen
Waffen die schönsten Motive, um damit modernen Frauenschrnuck
zu verzieren. Nicht weniger gelungen sind Armbänder im Geschmacke
der italienischen Renaissance gin derselben edlen Technik, verschieden
gefärbtes Gold in geschwärztes Silber eingelegt. Durch Hinzufügung von
hellleuchtenden gravirten Linien in die Masse des sonst matt gelassenen
Goldes ist der künstlerische Werth dieser Arbeiten zwar nicht erhöht
worden, sie dürften aber vielleicht dadurch einem weiteren Kreise des
Publicums, welcher etwas bunten Glanz bei Schmuckgegenständen nicht
gern entbehren will, erwünschter erscheinen. W. Rummel in Prag
bringt ein Meisterstück der Goldschmiede-Arbeit: den von J. Malina in
kleinerem Maßstabe nachmodellirten Wenzels-Leuchter der Prager Domkirche.
Man möchte nun glauben, dass die kunstreiche Nachbildung
dieses berühmten Bronzewerkes der Renaissance etwa als Geschenk für
einen hohen Kirchenfürsten bestimmt sei; allein zu unserem Erstaunen
müssen wir in der beigegebenen Beschreibung lesen, dass ihn adelige
Damen von Prag als Preis für das nächste Frühjahrsrennen bestimmt
haben, gewiss in der Absicht, um solche sonst etwas weltlich-oberflächliche
und internationale Vergnügungen durch religiös-historische Erinnerungen
zu vertiefen. Leider ist Rummel mit seinem gern gesehenen
Granatschmucke nicht gekommen. M. Kersch füllt diese Lücke aus und
auch hier gehen die besten Stücke auf Modelle des genannten Herrn
Malina zurück. Neben Rummel sind Arbeiten der Fachschule für