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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 220)

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Goldschmiedekunst :in Prag aufgestellt: ein tüchtig durchgeführter, 
nur etwas zu figuren- und beziehungsreicher Tafelaufsatz und ein Brust- 
kreuz mit sorgfältig von H. Kautsch ausgeführten Etnailen. An Gold- 
schmuck ist auf durchgehend: gute Ausstellungen von A. Häusler, 
A. Jaschke und J. N. Junghans hinzuweisen, während V. Mayefs 
Söhne pompöses Tafelgeschirr aus Silber in gewohnter exacter Durch- 
führung bringen. 
Ein Material, dessen stylgerechte Bearbeitung zeither schwer glücken 
wollte, ist das Zinn. Wo man bisher von der gewöhnlichen Marktwaare 
abging, versuchte man entweder matte Aetzung, die grau und entschieden 
unkünstlerisch wirkt, oder eineNachahmung jener altenßachreliefirten Schüs- 
seln in Art des Enderlin, die an sich schon nur Surrogate für Silberarbeiten 
waren, noch dazu in ihren modernen Nachbildungen meist schwer und 
plump ausfielen und dem Gebrauche durch eine umständliche Procedur 
der Reinigung Hindernisse entgegenstellten, so dass sie kaum anders denn 
als Schaustücke verwendet werden konnten. Ertl in Eger hat nun einen 
guten Wurf gethan, indem er eine andere alte Technik wieder aufleben 
machte: die Gravirung, wobei an Schüsseln und Krügen die lineare 
Zeichnung mit seltenem Stylgefühle der Technik angepasst ist. Hier so 
wie bei anderen Ausstellern, die sich im Geschmacke der deutschen Re- 
naissance gefallen, möchten wir das Uebermaß in der Anwendung von 
Sinnsprüchen tadeln. Die Spruchweisheit unserer Altvordern trat lange 
nicht so zudringlich auf; zu wenig wäre bei solchen Dingen jedenfalls 
besser am Platze als zu viel. 
Bei den bekannten Firmen J. Novak und Leopold Frank, die sich 
sonst bei ihren getriebenen Messingschüsseln und Tellern an Muster der 
besten Zeit, vom Beginne des 16. Jahrhunderts hielten, bemerken wir 
eine auffällige Bevorzugung von späteren Stylarten, besonders von den 
in Siebenbürgen so häufig vorkommenden barocken Tellern mit gewelltem 
Rande oder von Arbeiten nach Kupferstichen des 17. Jahrhunderts. 
Es soll das keineswegs getadelt werden. Es wäre auch zu verwun- 
dem gewesen, wenn bei der Schnelllebigkeit unserer Zeit die ja nicht 
aus dem Volksbedürfnisse hervorgeholten, sondern mit Ueherlegung ge- 
wählten Formen der Hochrenaissance nicht ebenfalls der Mode unterlegen 
wären. Geht nun der allgemeine Geschmack von den Mustern des 16. Jahr- 
hunderts allmälig zu jenen jüngerer Zeiten über, so lässt sich dem eben 
nichts entgegensetzen, sondern nur die Thatsache beobachten. Publicum 
und Künstler betrachten sich mit Recht im Ganzen und Großen als so 
weit geschult, dass sie sich eine Bevormundung im Einzelnen nicht gerne 
wollen gefallen lassen. Franzosen und Engländer sind nun mit ihrem 
Geschmacke schon bei Louis XVI. und dem Empire angelangt, und es 
erscheint nur gesund und den thatsächlichen Verhältnissen entsprechend, 
wenn sich die Wiener Kunstindustrie den etwas schwereren, kräftigeren 
Vorbildern aus der Zeit Karls VI. und Maria Theresia's anschließt, in
	        
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