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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 220)

bietet, bezeichnet werden. Eben weil sie mit ihren gefälligen, bequemen

Formen, ihrer bescheidenen Farbenwirkung anheimeln und uns nicht wie

die bunten und weit ausladenden sogenannten Renaissance-Kästen figürlich

und wirklich bedrohen, gefallen sie, und es trägt dazu außer der vortrefflichen

 Arbeit nicht wenig bei, dass sie eben mit ihrer Art zu unseren

heimischen Gewohnheiten stimmen. So waren noch die Wohnungen unserer

 Großeltern geschmückt, ehe der schlechte Geschmack hereinbrach,

und ähnlicher Hausrath findet sich noch in vielen Familien, die durch

moderne Miethverhältnisse nicht zu ewiger Wanderschaft gezwungen sind.

Da fügt sich auch Neues in diesem Style dem Vorhandenen an und

erinnert an Ererbtes und Bekanntes, während man in jenen Renaissance-Zimmern

 doch meist nur das Gefühl hat, als 0b man bei sich selbst zu

Gaste wäre.

Dass eine solche Auffassung der Barock- und Rococo-Formen nicht

etwa persönliche Meinung ist, sondern dass sie sich allmälig auch bei

Fabrikanten Bahn gebrochen hat, die früher in puristischer Richtung

führend waren, beweist die große und glänzende Ausstellung Ludwig

Lobmeyfs. Alle die vielseitigen neuen Decorations-Methoden sind, mit

Ausnahme der orientalisirenden, durchgehends von Mustern des 18. Jahrhunderts

 angeregt. Da sehen wir Dosen und Vasen in hellen zarten Farben

wie mit einem Goldregen besprengt, über den sich dann Spitzen mit

Rococo-Mustern aus weißem Email gelegt haben, andere schwere Gefäße

aus prächtigem rothen und grünen Glase, mit metallisch glänzendem

Ueberfange, mit Verzierungen in Gold und Silber, "deren Motive direct

den Plafondstuccaturen des Belvedere entlehnt sind, endlich helle Gläser

mit Landschaften und Figürchen in Schwarzloth aufgemalt, an denen wir

nur zuweilen die etwas in die Länge gezogenen Formen, mit denen

vielleicht dem englischen Modegeschmacke zu weit Rechnung getragen

wird, aussetzen möchten. Die Schapperkrüge, welche ihnen als Vorbilder

dienten, haben opake Unterlage, wodurch die Zeichnung natürlich besser

zur Geltung kommt. Das Hauptstück aber bildet ein Service für 60 bis

70 Personen, im Auftrage des Barons Albert Rothschild ausgeführt,

decorirt im Style Louis XV., nach Zeichnung von Professor Salb, eine

Musterleistung österreichischer Fabrication, der nicht so leicht etwas

Zweites an die Seite zu setzen sein wird.

lm orientalischen Genre ist besonders eine Reihe Gefäße in grünlichem

 Rauchglas nach indischen Formen hervorzuheben, deren silberglänzende

 Aluminium-Decoration den silbertauschirten indischen Eisengefäßen

 nachgebildet ist. Die Wirkung ist vornehm_und gefällig, besonders

bei den kleineren Gefäßen, an denen die indischen Gefäßformen beibehalten

sind, während die größeren Vasen, als technische Leistungen höchst

anerkennenswerth, durch ihre absonderliche Gestaltung, mit den großblumigen

 Ornamenten, die gewiss nicht beabsichtigte Wirkung von polirtem

Holz hervorbringen.
            
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