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fullscreen: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1870 / 63)

blume und die Ptirsichblüthe zu den am meisten gebrauchten Motiven 
aus der Pflanzenwelt, so tritt jetzt die Päonie mehr als früher neben und 
statt jener auf. Auch rein geometrische Zeichnungen werden oft zur De! 
eoration der ganzen Oberfläche der Geräthe angewendet. Ein viel an- 
wendbares Mittel zur Erzielung reicher und geschmackvoller Eifeete wird 
auch darin gefunden, dass man die Zellenfaden nicht mehr durchaus von 
gleicher Stärke macht, sondern sie ja nach Zeichnung und Schattirung 
der Darstellung bald dünner, bald dicker werden lässt. Ein prägnantes 
und sehr bemerkenswerthes Beispiel dieser Art befindet sich in der, an 
schönen Emailen reichen Sammlung des Altgrafen Salm in Wien. Es ist 
dies ein "Ting" von seltsamer Form, die man am besten sich so versinn- 
lichen kann, wenn man die Körper von drei Kranichen neben einander- 
gestellt und in einandergeschoben denkt. Jedes Fuss paar dieser Kraniche 
bildet einen Fuss des Ting, während zwei Hälse und Köpfe die Henkel 
bilden und der Hals des dritten Vogels reliefartig am Ting anliegt. Das 
Gefieder der Kraniche ist mit grosser Kunst in Email, die Rippen der 
Federn durch die Zellenfaden dargestellt; Alles mit solcher Vollendung, 
dass man die Originalität der Ertindung wie auch die stylvolle Ausführung 
bewundern muss. 
Mit den erwähnten Wandlungen geht eine Vervollkommnung der 
technischen Seite der Herstellung der Emailen Hand in Hand, während 
gleichzeitig das feine Gefühl für Farbenharmonie und für Zartheit und 
Feinheit der Durchführung verloren geht. Man scheint ein Hauptgewicht 
auf die Hervorbringung möglichst kolossaler Ohjecte, deren Decoration 
nun freilich nicht so im Detail ausgearbeitet sein konnte, gelegt zu haben. 
Dieser Art sind jene riesigen Vasen, Becken, Flaschen und namentlich 
auch jene grossen flachen Platten mit Darstellungen von Landschaften und 
Figuren, deren Erzeugung mit solchen Schwierigkeiten verbunden gewesen 
sein muss, dass wir billig den mechanischen Talenten, die sie zu über- 
winden wussten, unsere Bewunderung nicht versagen können. 
Das 17. Jahrhundert unserer Zeitrechnung soll eine Epoche des ver- 
hältnissxnässigen Rückschrittes der Künste und besonders auch der Keramik 
in China gewesen sein. Wie es scheint, wurde auch die Emailerie davon 
mit hetrotfen, doch ist es mir bisher nicht möglich gewesen, durch 
datirte Werke die Richtigkeit dieser mehrfach mitgetheilten Thatsache 
constatiren zu können. Nien-hao, die sich auf das 17. Jahrhundert be- 
ziehen, habe ich auf Emailen nicht gefunden. Hingegen wird des 18. Jahr- 
hundert und namentlich die Epoche Kien-lung, die den Jahren 1736-1796, 
der Regierungszeit des Kaisers Kno-tsung, der Dynastie Thai-tsing, ent- 
spricht, als die Zeit einer Art Renaissance der Künste, in der die alten 
Techniken wieder in Uebung kamen, nachgerühmt. Die alten Modelle 
wurden in Poreellan, Bronze und Email wieder nachgeahmt, und wenn 
man auch wie im letzteren nicht völlig die Höhe erreichte, die diese Kunst
	        

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