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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 223)

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Neben Fröbel wirkte Herbart, der Gründer einer neuen philosophischen

 Schule. Im Gegensatze zu Fröbel basirte dieser den Willen und

das Streben auf die Vorstellung. Er forderte einen erziehenden

Unterricht, dessen weitgreifende Bedeutung darin bestehe, dass die

Charakterstärke nur in dem ganzen Gedankenkreis des Menschen

sicher gegründet werden kann. Die Zwecke der Erziehung stellt er als

doppelte hin: erstens, den nothwendigen, der in der Bildung eines sittlichen

 Charakters bestehe und zweitens, die möglichen Zwecke, welche

durch die nachmalige Stellung des Zöglings im praktischen Leben bestimmt

werden. Trotzdem Herbart alles Seelenleben auf die dem Menschen innewohnenden

 Begriffsvorstellungen gründet und die Vermittlung von Vorstellungen,

 die Erweckung des Interesses, als das Wichtigste erklärt, so

verkennt er nicht die Wichtigkeit der physischen Arbeit; er sagt: vEin

großer Unterschied ist zwischen dem gelehrten Unterrichte und dem

Unterrichte des Handwerkers; ersterer macht den Menschen sehr lange

Zeit hindurch solchergestalt passiv, dass hier in der Untersuchung die

Frage vorherrschen muss: Was wird als Reaction auf die beständige

Einwirkung des Lehrers im Zöglinge erfolgen? Das ist die echt pädagogische

 Fragem Er kommt in der weiteren Untersuchung dazu, der

freien Beschäftigung, der Arbeit, einen Vorzug vor dem Unterrichte

einzuräumen, weil durch sie die Selbständigkeit mehr zur Geltung kommen

könne. Aus diesem Grunde kommen daher auch Knaben eher beim Handwerker

 oder Kaufmann oder Landwirth in Ordnung als in der Schule.

Einige seiner Schüler, insbesondere Ziller und Barth räumten deshalb

der Arbeit eine hervorragende Stellung unter den Erziehungsmitteln ein.

Ziller führte die Arbeit neben dem literarischen Unterrichte, in sogenannten

 Nebenclasscn ein. Barth verband dieselbe directe mit dem Gesinnungsunterrichte.

 Nach Herbart sollte aller Unterricht einer Classe

sich auf einen Mittelpunkt beziehen. Nach Earth's Plan heißt die erste

Classe Märchenclasse, weil das Märchen (Sternthaler, sieben Gaislein) im

Mittelpunkt stehen und aller Unterricht sich auf die durch diese zu

erzeugenden Vorstellungen beziehe. Die Kinder sollen demnach auch

darstellen: z. B. durch Ausschneiden und Ansnähen auf Papier Stuhl,

Tisch, Thür, Haus, auch Thierformen, wie Gaislein u. s. w. In der

Robinsonclasse (z. Classe) sollen sie eine Jagdtasche weben, ein Schiff

aus Papierstreifen kleben, Thierformen ausnähen u. s. w.

Aehnliche Einrichtungen waren auch bei uns in Wien durch

Dr. Willmann am städtischen Pädagogium eingeführt und fanden den

Beifall der Eltern, nicht aber der Schulbehörden und mit Willmann's

Abgang von Wien gingen auch seine Bestrebungen ein.

lm Jahre r873 suchte Dr. Schwab, Director des Realgymnasiums in

Mariahilf (Wien) mit der ihm eigenen Energie und Wärme die Frage

über den Handfertigkeitsunterricht neuerdings in Anregung zu bringen.

Er veröffentlichte eine Broschüre, in der er sich in kräftigen Worten
            
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