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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 227)

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kennungsschreiben vorliegen, demnächst ihre Rundreise durch das Erzgebirge vollendet 
haben wird.-Zur Hebung der Spitzenschule in Neudorf wird der Obmann über seinen 
Antrag vom Central-Comite bevollmächtigt, sich wegen Unterstützung von Anfängerinnen 
mit der Gemeindevorstehung in's Einvernehmen zu setzen. - Der vor Kurzem erst vom 
Central-Comite eingeführte neue Industriezweig, der Geigenbogenbau, wird bereits auf 
der Teplitzer Ausstellung würdig vertreten sein. - Das Unterrichtstninisterium hat die 
Aufnahme einer Stipendistin aus Sonnenberg in den Central-Spitzencurs in Wien bewilligt. 
-- Ueber eine Petition der Frau Sauerstein in Aberthanx wurde beschlossen, das Reichs- 
kriegsministerium und das Landesvertheidigungsministerium zu ersuchen, bei Ausschrei- 
bung von Concursen für die Lieferung von Militar-Proprietäten die Industriellen des 
Erzgebirges zur Concurrenz aufzufordern. - Ein alter und empfindlicher Uebelstand ist 
nach einer Mittbeilung des Obmannes der gänzliche Abgang von neuen Mustern für die 
ordinäre Spitze und die Gurl-Naherei, welche ja doch das Gros der Erzeugung und des 
Absatzes bilden. Ueber Antrag des Herrn von Dotzauer wurde beschlossen, eine Eingabe 
an das Unterrichtsministerium zu richten, in welcher das Ersuchen gestellt wird, vom 
praktischen Standpunkte aus auch die Zeichnung von Mustern für ordinäre Spitzen und 
Gurl-Arbeiten im Industriemuseum zu cultiviren. Herr Ottomar Wenzel erklärte sich 
bereit, nach Schluss der gegenwärtigen Wander-Ausstellung eine Collection von gewöhn- 
licheren Spitzenmustern zu einer solchen Ausstellung zusammenzustellen. - Das Referat 
des Herrn Sigmund Mauthner über die Thätigkeit der Commission für die Teplitzer 
Ausstellung wurde mit Befriedigung zur Kenntniss genommen. Aus demselben geht zu- 
nächst hervor, dass die personliche Intervention der Herrn Mauthner und Sobitschk a, 
welche das Gebirge bereist haben, von einem günstigen Erfolge begleitet war, und dass 
bis heute von 36 Städten und Orten des Erzgebirges Anmeldungen eingelaufen sind, 
welche eine Betheiligung von über x60 Ausstellern reprasentiren. Für solche Ortschaften, 
wo die einzelnen Industriellen nicht in der Lage sind, die Kosten der Beschickung zu 
bestreiten, wird die Arrangirung von Collectiv-Ausstellungen von der betreffenden 
Gemeinde- oder Ortsvertretung in die Hand genommen werden. - Die Antrage des 
Obmannes, Herrn v. Dotzauer, dem Kriegsministerium einen Vorschlag, berretfend die 
Bepflanzung der Schanzgraben der Festungen mit Korbweide und Einführung der Korb- 
flechterei als Arbeit für Festungsstraflinge, zu erstatten, ferner die Regierung anzugehen, 
auf die Erweiterung der Cultur von Nutzbülzern Einfluss zu nehmen, wurden unter bei- 
fälliger Zustimmung der Comite-Mitglieder zum Beschluss erhoben. 
(Knaben-Handarbeit im Osten Deutschlands.) Das Centrum der Agitation 
für Pßege des Handfertigkeitsunterrichtes in Ost-Deutschland ist die Stadt Posen, wo 
bereits eine von der Regierung und der Commune subventionirte Handfertiglteitsschule 
in 7 Abtheilungen mit je n Schülern besteht, Lehrercurse nach.dieser Richtung abge- 
halten werden und nun noch die Gründung einer Arbeitsschule im jüdischen Waisen- 
hause in's Auge gefasst ist. Das Beispiel der Provinzial-Hauptstadt findet in den übrigen 
Städten reiche Nachfolge; in Bromberg, Thorn und Landsberg a]W. sind derartige 
Schulen in Bildung begrilfen, ja selbst über die Grenzen Preußens hinaus wirkt der 
Einfluss der Posener Schule, nach deren Muster auch in Warschau jetzt eine ähnliche 
gegründet wurde. 
(Handfertigkeits- und. Zeiohsntmterricht an der Volksschule.) In Nr. to 
der nZeitschrift des Vereins deutscher Zeichenlehrer: erortert Herr F. Flinzer diese 
Frage in sehr klarer und sachgemäßer Weise. Er betont, dass das Bedürfniss nach einem 
Zeichenunterricht und nach dem Handfertigkeitsunterricht, den er lieber Modellirunter- 
richt nennen mochte, so ziemlich aus gleichen Motiven entspringt. Es handle sich dabei 
überhaupt darum, die Schule dem realen Leben naher zu rücken, als es jetzt thatsächlich 
der Fall ist. Die Schwierigkeit liegt nur in der Wahl der richtigen Methode des Unter- 
richtes und in der Ueberbürdung der Schüler und Lehrer. Aber nach Flinzer's Ansicht 
ist eine Volksschule, an welcher der Zeichenunterricht in Verbindung mit dem Modellir- 
und Handfertigkeitsunterricht nach den gleichen Zielpunkten gelehrt wird, nur mehr eine 
Frage der Zeit. 
Auch Herr Robert Manzer, Director der Bürgerschule in Teschen a. d. Elbe, 
schließt sich in einer soeben verotfentlichten Flugschrift: t-Ueber den Handfertigkeits- 
unterricht- jenen Schulmännern an, welche sich für die Nothwendigkeit eines solchen 
Unterrichtes aussprechen, und die Stimme eines so erfahrenen praktischen Schulmannes 
ist von besonderem Gewicht. Sein Schriftchen schließt mit folgenden Worten: uAn der 
Thüre der Schule pocht die Gegenwart und erwartet, dass der Staat ihr ein freundliches 
-Herein!- zurufe; denn der Staat ist verpüichtet, die einseitige Erziehung der Schule zu 
ergänzen, dieselbe zu einer harmonischen zu gestalten, die Kinder zur Arbeit zu erziehenu 
Ueber das gleiche Thema hat ein Schweizer Sehulmann, Herr J. Schappi in 
Horgen, im Schulcapitel Zürich einen Vortrag gehalten, welcher nun auch im Druck 
erschienen ist. Das Schrittchen orientirt trefflich über die herrschende Schulriclitung in der
	        

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