Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 228)

an die Gothik sich sogleich die Barocke schließe und von Werken der

deutschen Renaissance eigentlich wenig zu sehen sei, da die Stadt in

jenen traurigen Zeiten nicht Musse und Mittel zur Herstellung von Kunstwerken

 gefunden hätte, so befindet er sich, so logisch auch der Schluss

zu sein scheint, in argern Irrthume. Wer die Geschichte des architektonischen

 Hauptwerkes der Stadt, der Pfarrkirche, verfolgt, wird sogleich

zu der Beobachtung gedrängt werden, dass hier wie in so vielen österreichischen

 Städten die Gothik bis an das Ende des 1.6. Jahrhunderts und noch

länger fortwirkte und der Steinarbeit ganz ihren Charakter aufprägte, wie

denn alle die schönen gothischen Häuser mit ihren köstlichen Verzierungen

aus dieser späten Periode herrühren. Als sich dieser Styl endlich ganz

ausgelebt hatte, ging es auch mit der deutschen Renaissance schon zur

Neige, und die prächtige, von ltalien eindringende Art der Spätrenaissance,

der sogenannte Barockstyl, schloss sich gleich an jene Ausläufer der

Gothik an. Dabei ist nicht ausgeschlossen, dass einzelne Monumente der

deutschen Renaissance auch in diesen Städten vorhanden sind, und die

Sgraffitoverzierungen des in seinen unteren Theilen in letzter Zeit so

unverantwortlich liberschmierten "Schüttkastensu in Steyr, sowie ein in der

culmrhistorischen Ausstellung befindlicher Schrank aus dem Kloster Garsten,

gehören mit zu den schönsten Hervorbringungen dieser Decorationsweise.

In der Ausstellung der Gemälde, über welche schon Albert llg sein

fachmännisches Unheil abgegebenj, und in der fast alle bedeutenden

Barockmaler, die in Oberösterreich wirkten, durch zum Theile sehr

bemerkenswerthe Beispiele vertreten sind, ziehen doch zumeist die Porträts

der heimischen Katharina Gürtlerin und Morzer's an, die zu Schätzen

alter Kunst nun auch die ehemaligen Besitzer vor uns erscheinen lassen.

Am wichtigsten, einheitlichsten und interessantesten wirkt aber die

Ansammlung aller Gegenstände, die sich auf das alte Zunftwesen der

Stadt beziehen. Urkunden, Siegel, Truhen, Schilder, Becher, für die einzelnen

 Zünfte gemacht und noch in ihrem Besitze, geben ein schönes

Bild eines ausgebreiteten und blühenden Gewerbelleißes, einer festgegründeten

 Ordnung, deren die Stadt in ihren besseren Tagen genoss.

Neben der Abtheilung für Messer und anderes Essgeräthe, so echt

bezeichnend für die Industrie der Stadt, neben der herrlichen Sammlung

von Costllmen zumeist aus den Häusern der reichen Sensenschmiede,

fesseln vor Allem unter den auch sonst vortrefflich zusammengestellten

Interieurs, in welchen man auf iene Strauße, in denen Pfauenfedern

zwischen Schilf wachsen, und ähnlichen beliebten Schmuck weise verzichtet

 hatte - leider verzichtete man nicht auf hässliche geschrnacklose

Puppen, deren echte Costüme nicht einmal mit ihnen versöhnen können,

und welche die bescheidene künstlerische Wirkung vollständig zu nichte

zu machen das Bestreben haben - zwei Bauernstuben mit weichen,

') nDie Presseqlu. August 1884.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.