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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 228)

'94

Da zeigt sich nun sogleich, dass gerade die Spiralen zu. denmächtigsten

 Urmotiven aller Ornamentik gehören, dass sie im Bronzezeitalter

förmlich herrschten und Alles überkleideten; dass aus dieser frühen

Urzeit noch die Idee zu den Voluten des herrlichen ionischen Kapitäles

stammt; dass diese Bronzespiralen nachgeahmt in feinen Gold- und Silberdrähten

 die "uralte Technik der Filigranarbeiten erzeugte, welchethauptsächlich

 in lndien noch heute blüht und dort die Grundlinien-zum Decor

der Shawlweberei liefert; dass an den Bronzen der Griechen und Römer

an Dreifüßen und Aehnlichem die Spirale noch eine Hauptrolle spielt

und aus dem ihr ureigenen Elemente des Metalles auch massenhaft i.n

die Gefäßmalerei übertragen wurde; endlich wie im Mittelalter auch der

geschmiedete Eisenstab sich immer mehr und mehr dieser Form fügt und wie

die einfachen großen Spiralwindungen der Renaissance- und Barock-Gitter

alles vorher Erdachte überbieten, Alles enthalten, was das höchste Raflinement

 von Combinationen, Paarungen, Durchdringungen in allen

Varianten nur überhaupt zu bieten vermag.

Dieser ganze unermessliche Reichthum steht zur Verfügung, und

wenn man so sieht, wie man eigentlich nur zuzugreifen braucht, muss

man sich höchlichst verwundern, wenn in der ganzen Fluth von Zeichenvorlagen,

 welche alljährlich zu Markt gebracht werden, immer wieder

nur dieselben paar abgedroschenen Motive zu finden sind, Motive, die

nicht deshalb gewählt wurden, weil sie einer bestimmten pädagogischen

Absicht am besten dienen, sondern oifenbar nur deshalb, weil sie schon

in einem früheren Vorlagenwerk enthalten sind.

Der richtige Vorgang müsste dieser sein:

Der gesammte Schatz einer einzigen Formengruppe müsste complet

überblickt werden und dann nicht das nächst Beste, sondern das Typische

und das pädagogisch Brauchbarste gewählt werden.

Speciell betreifend die Spiralen würden die Filigrane verworfen

werden müssen, weil sie zu klein im Maßstab, die Webereien und Malereien,

weil sie das Motiv nicht mehr rein enthalten und in bereits übertragener

Technik, endlich auch die prähistorischen Bronzen, weil sie noch zu roh

und ohne Durchbildung sind. Allen Anforderungen der Pädagogik:

Großer Maßstab, Einfachheit des Schwunges ohne Vermengung mit

fremdem Decor, Materialrichtigkeit entsprechen die Schmiedeeisengitter der

Renaissance.

ln diesen sind nachweislich auch alle Haupttypen und deren Combinationen

 genau so enthalten, wie sie die Methode des variirenden Componirens

 ergibt, förmlich wie nach den Regeln der Combinationsrechnung.

Wenn also hier zuerst die Urmotive (Parallelspirale .und Proportionalspirale,

 C- und S-förmige Spirale) erklärt und construirt werden (nebenbei

sei bemerkt, dass alle derlei Constructionen auch in den neuesten Vorlagenwerken

 unbrauchbar sind) nachher die Mittel erläutert werden, wodurch

die verschiedenen Combinationen entstehen, nämlich: Wechsel der Ansatz-
            
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