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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 228)

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Damit dieser Effect erreicht werden könne ist nun freilich nöthig,

dass eine längere Zeit, z. B. bei wöchentlich vier Stunden Freihandzeichnen

 mindestens ein ganzes Semester ausschließlich dem Gitter- und

dem Spiralenzeichnen" gewidmet bleibt. .- _ ' '.

Aber was. schadet-das? Dieses Capitel ist dann wenigstens wirklich

erledigt und im nächsten Semester kann ein anderes folgen und endlich

ein ziemlicher Umfang praktischer Kenntnisse und combinatorischer

Fertigkeit vermittelt werden. ' '

Nur um zu zeigen, dass dieses Princip überhaupt durchführbar, sei

eine Fortsetzung der Reihe hier beiläufig angegeben. Dem Spiralenzeichnen

würden andere Motive, welche in großem Maßstabe einfache Schwungllnien

enthalten, folgen können, z. B. Brettausschnitte der Holzarchitektur und

dann die einfachen geschwungenen Bänder der Foumiereinlagen an

Rococomöbeln. Hiedurch wäre der Uebergang zur lntarsia mitLaubwerk

vermittelt und würde nun auch die ganze Theorie der Blattbildung folgen.

Auf dieser Höhe sind an den Schulen meist auch schon die Elemente

der Projectionslehre und auch der Schattengebung bewältigt und kann

nun im Freihandzeichnen der Schritt zum plastischen Ornament gemacht

werden.

In solcher oder ähnlicher Weise müssten also einzelne größere Gebiete

gruppenweise aneinander gereiht werden. Die hier gegebene Reihe macht

keinen Anspruch auf absolute Richtigkeit. Dazu fehlen heute noch ausgebreitetere

 Erfahrungen. Sie sollte nur die Möglichkeit des Vorganges

darthun. .

Jeder, der das Experiment in der Schule versucht, wirdfinden:

I. Dass mehr Lust zur Sache dadurch in die ganze Classe einzieht;

2. dass nach jeder so geleiteten Compositionsaufgabe auch besser

copirt wird.

Freilich wird es an solchen nicht fehlen, welche den ganzen Vorgang

verurtheilen, auch ohne ihn vorher praktisch versucht zu haben; wie

schwer aber ein solches aprioristisches Urtheil wiegt, sei dahingestellt.

Das Eine steht fest, dassdiese Methode auch ihre Nachtheile hat,

denn es gibt nichts unter der Sonne, das nicht seine zwei Seiten hätte.

Der wichtigste und vielleicht allein belangreiche Nachtheil dürfte

der sein, dass sie zu hohe Anforderungen an den Lehrer stellt, als dass

eine allgemeine Einführbarkeit ihr zugesprochen werden könnte.

Umsomehr scheint es aber gerade deshalb Pflicht der Kunstschulen

 höchster Stufe, welchen die Ausbildung unserer Zeichenlehrer

anvertraut ist, die jungen Männer nicht volle vier oder gar fünf Jahre

mit todtern Copirenlernen hinzuhalten.

Vielmehr sollten alle höheren und auch mittleren Anstalten, an

welchen die Befähigung der Lehrkräfte dazu ausreicht, den neuesten

Normallehrplan gut ansehen und das Ihre dazu beitragen, dass wir auf

der einmal eingeschlagenen guten Bahn rlistig vorwärtsschreiten. Es gibt
            
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