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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 232)

Glasur, wie an vielen Beispielen der Ausstellung zu sehen ist. Von den 
mannigfachen nahestehenden oder verbundenen Arten sei nur Einiges in 
Kürze erwähnt, so insbesondere das reiche und eßectvolle Genre der De- 
coration mit den leicht erhaben aufliegenden Emailfarben, das sich zu- 
nächst an die famille rose anschließt, so weit es die mit figürlichen Scenen 
geschmückten sogenannten Mandarinvasen, deren Darstellungen uns man- 
nigfach in das häusliche und öffentliche Leben der Chinesen einführen. 
Schöne Beispiele gibt die Sammlung des Herrn Trau Nr. 188i bis 1896. 
Mehreres der Art ist im Kataloge abgebildet. 
Sonst sind gerade die chinesischen Porzellangegenstände mit figür- 
licher Malerei nicht allzu glänzend vertreten. Nur Einzelnes, und zwar 
das weniger Originelle (Nr. 926, Theeservice der Fürstin Colloredo), 
zeichnet sich durch Feinheit aus. Der Reiz dieser Malereien liegt ja auch 
für uns mehr im Ethnographischen als im rein Künstlerischen, wenn 
auch Schmelz und Harmonie der Farben die gleichen sind wie bei der 
ornamentalen Decoration. Alle figürlichen Darstellungen der Chinesen, 
die Figuren selber, wie sie sind in natura, werden uns immer mehr oder 
weniger den Eindruck der Caricatur machen; wir werden über das 
Komische, das sie in unseren Augen haben, auch bei aller ihrer Vor- 
treßlichkeit nicht ganz hinwegkommen. Die Grazie der Chinesen, "die 
ewige Grazieu, höchst charakteristisch auf einer Schüssel des Grafen Ed- 
mund Zichy (Nr. 170i, abgebildet im Katalog) durch den weißen Hirsch 
und seine seltsame Bewegung symbolisch dargestellt, sie ist eben nicht 
unsere Grazie. 
Fast mehr noch wirken in diesem komischen oder caricaturartigen 
Sinne diejenigen Gegenstände, Schüsseln, Teller, Vasen, auf welchen 
christlich-europäische Gegenstände dargestellt sind, Arbeiten, die zu jener 
Zeit entstanden, da das Christenthum unter Leitung der Jesuiten-Missio- 
näre eine ziemliche Duldung und Ausbreitung in China hatte. Die Aus- 
stellung hat eine Reihe solcher Obiecte aufzuweisen, unter denen wir die 
große Schüssel des Grafen Edmund Zichy mit der Taufe Christi (Nr. 1737) 
in Blau unter der Glasur hervorheben, während die übrigen Bilder meist 
in Schwarz auf der Glasur ausgeführt sind. Es ist interessant, zu be- 
obachten, wie der chinesische Maler, ein so geschickter und sclavischer 
Nachahmer, wie er ist, seinem Originale treu zu bleiben sucht und doch 
seinem eigenen Charakter nicht untreu werden kann. Ein Blick reicht 
hin, zu sehen, dass diese Malereien nicht von europäischen Händen aus- 
geführt sein können. 
Uebrigens ist dieses nicht der einzige Fall, wo chinesische und euro- 
päische oder überhaupt fremde Art zusammengestoßen sind. Den Handels- 
gewinn, der mit der Anlehnung an fremde Muster und fremden Geschmack 
oder auf fremde Bestellung zu erzielen war, haben die Söhne des himm- 
hbrlsetqzazlg auf der Beilage.
	        

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