MAK

Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 232)

Architekt Alexander v. Wieletnan s, k. k. Baurath. Ausschüsse: Die ordentlichen Mit- 
glieder: Maler Hu o Darnaut; Bildhauer Edmund Hellmer, Professor an der k. k. 
Akademie der bil enden Künste; Maler W. O. Noltsch, Docent an vder k. k. techn. 
Hochschule; Kupferstecher Johann Sonnenleitner, Professor an der k. k. Akademie 
der bildenden Künste; Bildhauer RudolfWeyr, Docent an der k. k. techn. Hochschule; 
- die außerordentlichen Mitglieder: J. Dr. Ernst Bareutber, Reichsrathsabgeordneter: 
Carl Otto Lederer, Fabriksbesitzer. 
(Atelier Klimt und Matsch.) Es muss als ein bedeutsames Zeichen für unsere 
kunstgewerbliche Bewegung angesehen werden, wenn junge Leute, welche an den kunst- 
gewerblichen Lehranstalten des Reiches herangebildet wurden, sich selbständig machen 
und wenn es, ihnen gelingt, durch zufriedenstellende Ausführung größerer Aufträge ihr 
Können zu verwerthen und dadurch sich nicht nur eine Existenz zu gründen, sondern 
auch durch ihre Arbeiten den Beweis zu liefern. dass die an der betretfenden Anstalt 
eingeschlagene Lehrmethode von günstigen Resultaten begleitet ist. So haben drei junge 
Männer, Schüler des verstorbenen Professors Ferd. Laufberger an der Kunstgewerbe- 
schule, und zwar die Herren Franz Matsch, Gustav 'Klimt und Ernst Klimt ge- 
meinsam ein Atelier eingerichtet, um daselbst vorzugsweise decorative Arbeiten selb- 
ständig durchzuführen. Dieses Atelier (VL, Sandwirthgasse 8), beündet sich in fortschrei- 
tender Entwickelung, da es glücklicherweise den drei jungen Künstlern nicht an Ge- 
legenheit fehlt, ihr vielseitiges Talent bei der Ausfühning mannigfacher Auftrage zu 
erproben. Die erste größere Arbeit bestand in der Ausführung der iSgraffiten für das 
neue kunsthistorischeHofmuseum nach den Canons von Ferd. Laufberger, an welche 
sich folgende bereits ausgeführte selbständige größere Arbeiten anschließen: Vier Plafond- 
bilder im Auftrage des Herrn Baumeisters Sturany in Tempera-Malerei; sechs Plafond- 
hilder in Leimfnrbe für den Concertsaal in Karlsbad; den Hauptvorhang und fünf Decken- 
bilder für das Stadttheater in Reichenberg in Leimfarbe; sechs Figuren, Allegorien der 
Musik, in Sgraffito für einen Neubau in der Goldschmiedgttsse; neun Cartons zur Aus- 
führung in Sgrafiito, ein Deckenbild, die Poesie, darstellend, letztere Gobelin-Imitation 
in Oellarbe, zehn Portrats, ebenfalls in Oelfarbe, sammtlich für das Schloss des Königs 
von Rumänien in Sinaia; vier Plafondbilder für das Wohnhaus Zierer in der Alleegasse; 
vier Cartons zur Ausführung für das Stadttheater in Bronn; 13 Bilder, darstellend ver- 
schiedene Allegorien zu Reproductinnszwecken für die Firma M. Gerlacb dt Cump.; elf 
verschiedene Costümfiguren in Oelfarbe für Kastenfüllungen fur Herrn A. Munck in 
Dobling. - Von den Arbeiten, welche gegenwärtig die Herren Matsch und Gebrüder 
Klimt beschäftigen, sind zu nennen: Für das Schloss des Königs von Rumänien in Sinaia 
ein Deckenhild, die Dichtkunst darstellend, in Gobelin-lmitation, und Friese in der Ge- 
samrntlinge von t5 Metern, ebenfalls in Gobelin-Imilation; ferner im Auftrag des Herrn 
Baurath Fellner für das Stadttheater in Fiume, sechs Deckenbilder und drei Bilder ober- 
halb des Proscenjunts in Leimfarbe. Außerdem wurden in dem genannten Atelier neben 
den erwähnten größeren Arbeiten verschiedene Porträts, kleinere decorative Malereien, 
Aquarelle, Zeichnungen und Entwürfe für Glasmalereien angefertigt. 
(A115 dem k. k. Anblken-Gsbinet.) Für die k. k. Kunstsammlungen ist vor 
Kurzem eine sehr kostbare Neuerwerbung gemacht worden, die in einer Artemis-Statue 
aus parisehem Marmor besteht. Das Kunstwerk, das ersichtlich dem vierten Jahrhundert 
v. Chr., also noch der glanzendsten Epoche hellenischer Kunst angehört, stellt die Göttin 
in halber Lebensgroße dar. Das faltenreiche Untergewand reicht bis zu den Füßen, wah- 
rend das Obergewand, nach links zusammengefasst, über den Arm herabhangt. Die 
Haltung der Göttin ist nicht frei, sondern nach Praxitelesscher Weise eine halb leh- 
nende, und zwar Endet die Gestalt ihren Stützpunkt, nach altgriechischem Muster, in 
einer zweiten Artemis-Statue (älterer Auffassung), die sich auf einem kleinen Pie- 
destal erhebt. Auf ihrem Haupt ruht der linke Arm der größeren Figur, so dass die 
kleinere Gestalt unter dem Gewand, das hier herabfallt, hervorblickt. Der Kopf der 
Statue ist vollkommen intact und fehlerlos, ebenso die gesammte Gewandung", nur die 
beiden Unterarme wurden von boshaften Arbeitern, die ihren Herrn schädigen wollten, 
abgeschlagen; vermuthlich dürften die Hände Pfeil und Bogen gehalten haben. Selbst 
die Farben. welche man zu jener Zeit bei Bildwerken zu benützen pflegte, sind noch 
so weit sichtbar, dass man die obere Tönung des Gewandes von der unteren zu unter- 
scheiden vermag. Die Statue, welche einigermaßen an eine Artemis der Münchener Glyp- 
tothek erinnert und um deren Erwerbung unsere Kunstsammlungen nicht Wenig beneidet 
werden dürften - der Besitzer stand bereits rnit dem Louvre in Unterhandlungen - 
wurde bei Larnakn auf Cypern gefunden. 
Selbstverlag des lt. k. Oesterr. Museums lür Kunst und Industrie. 
Budtdrnckercl w. n": nmnr. Sohn n. Winu.
	        

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