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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 232)

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durch den vorwiegenden Einfluss der Maler auf sämmtliche Kunstbestrebungen.

 Bei vielen lnterieurs sehen wir geradezu das Maler-Atelier zum

Muster genommen ohne Rücksicht darauf, dass all" das, was an alterthümlichen

 Gegenständen scheinbar unmotivirt umherliegt, die Wände

bedeckt und die Schränke füllt, wohl in einem Atelier anregend wirkt,

und als gelegentliches Vorbild volle Berechtigung hat, einem Wohnzimmer

aber schließlich das Allerwichtigste raubt, nämlich den Charakter der

Wohnlichkeit. Mit dieser Richtung hat sich die Münchener Kunstindustrie

selbst den größten Schaden zugefügt, denn ein großer Theil des Publicums,

 in erster Linie die Hausfrauen, können sich unmöglich mit einem

Styl befreunden, der das praktisch Brauchbare vernachlässigt und bezüglich

 des Zweckes eines Gegenstandes oft völlige Sorglosigkeit an den

Tag legt. Es ist dies um so bedauerlicher, nicht nur weil gegenwärtig

an keinem Orte in Deutschland die Kunstindustrie mit solchem Feuereifer

gepüegt wird, und die Industriellen sich so willig den Anordnungen der

Künstler fügen wie in München, sondern auch weil sich nirgends sonst

eine solche Routine im künstlerischen Arrangement, eine solche Treff?

sicherheit für stimmungsvolle Gesammtwirkungen herangebildet hat.

Es wäre nicht nothwendig gewesen, die Münchener Richtung einer

so scharfen Kritik zu unterziehen, wenn sich dieselbe bloß auf den Boden

der bayrischen Hauptstadt beschränken würde. In einer Zeit, die so sehr

zu Extremen hinneigt und in Kunst und Literatur am liebsten in Superlativen

 spricht, ist aber allenthalben der Boden gut vorbereitet zur Aufnahme

 dieser Richtung in der Kunst. Dem malerischen Element wird

nicht allein in München ein zu großer Spielraum gelassen, wir begegnen

demselben in jeder größeren deutschen Stadt, Wien nicht ausgenommen.

Die Folge davon ist, dass uns Lust und Freude an unserer eigenen

Kunst so rasch vergeht, denn nichts ermüdet den Geist so bald wie

leere Phrase, falscher Schein. Gegen eine Scheinkunst anzukämpfen ist

aber Niemand geeigneter als der Architekt, der seine Aufgabe im echten

Geiste seiner Kunst erfasst.

Ich habe schon erwähnt, dass nebst München Berlin in Betracht

gezogen werden muss, wenn es sich darum handelt, den Erfolg der

reformatorischen Theorien auf dem Gebiete des Kunstgewerbes zu prüfen.

Die Bedingungen für die Entwickelung der Kunstindustrie sind dort

wesentlich andere als in München und Wien. Unterscheidet sich Berlin

von München dadurch, dass dort von einem Vorwiegen der Malerei keine

Rede sein kann, so fehlt dort im Vergleich zu Wien eine moderne monumentale

 Architektur. Erst in jüngster Zeit hat man auch in dieser

Beziehung einen Anfang gemacht. Dagegen treten andere Erscheinungen

zu Tage, welche mit der neuen Stellung Berlins im Deutschen Reiche

im engsten Zusammenhange stehen.

ln den letzten zehn Jahren concentrirte sich der Reichthum des

ganzen Landes in der aufblühenden Weltstadt. Eine Unzahl von Villen,
            
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