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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 234)

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ln der Natur der Sache ist es gelegen, dass jetzt vorzugsweise Werke der monue

mentalen Historienmalerei und Ausstattungssculptur zur Ausführung zu gelangen hätten.

Leider musste aber aus der Budgetvorlage für das Jahr 1885 die Erkenntnis:

gewonnen werden, dass außer der Vollendung der im Vorjahre begonnenen Arbeiten

keine Betrage für neue Bestellungen zur Verfügung sein werden.

Die Ktinstlerschaft Wiens wendet sich demnach mit der ehrfurchtavollsten Bitte

an das hohe Herrenhaus. dasselbe wolle bei Feststellung des Budgets für das Jahr 1885

auf den Usus der Vorjahre zurückgreifen und wieder einen Betrag für die weitere

künstlerische Ausstattung der Monumentalbauten einsetzen, gleichzeitig aber dahin wirken,

dass überhaupt die SchatTung einer regelmäßigen (jährlichen) Dotation von mindestens

100.000 H. ermöglicht werde, welche Summe nicht nur zur Realiairung von Auftragen

auf dem Gebiete der großen Kunst, insbesondere der Malerei und Plastik, zu dienen

hatte, sondern auch die Mittel bieten wurde. die bereits geplanten und nunmehr mit der

Inhibirung bedrohten Ausstattungsarbeiten in unseren Monumentalbauten zu vollenden,

während unter Einem auch die Wiederaufnahme von Ankaufen bedeutender Kunstwerke

auf den Ausstellungen im Künstlerhause, und zwar in bedeutsamerer Weise als bisher,

zu erfolgen hatte.

Dass die obige zu erbittende Dotation für die genannten Zwecke noch immer keine

exorbitant hohe ist, darüber belehren uns die geradezu imponirenden Summen, welche

in anderen Culturstaaten in dieser Richtung aufgewendet werden; so widmet England

in seinem Staats-Budget für Kunstzwecke jahrlich über 9 Millionen Francs, Frankreich

7 Millionen, Preussen für das Etatsiahr 1884-85 7, 13.000 Reichsmark, Italien 4 Millionen

Lire, während im cisleithanischen Oesterreich ür Kunstschulen und sonstige Kunstzwecke,

 fur die Erhaltung der Baudenkmaler, für archäologische Arbeiten, für Subventionen

 künstlerischer Unternehmungen, für Ankäufe von Kunstwerken u. s. via, also im

Ganzen nur 400.000 H. d. W. aus dem Staatssäckel der Kunst und ihrer Forderung

erfließen.

Wenn nun bei dieser ohnedies so kArglicben Bemessung auch noch die Vollendung

der Ausstattungsarbeiten in unseren Monumentalbauten inhibirt werden sollte, dann wohl

durfte für die österreichischen Künstler die Zeit gekommen sein, massenhaft in die

Fremde zu gehen, woselhst - man blicke nur nach Paris und München - ohnedies

schon eine so große Anzahl von den bedeutendsten osterreichiscben Künstlern zur Ehre

und Verherrlichung fremder Kunststatten wirken.

Aber nicht allein, dass unter solchen Umstanden die monumentale Kunst, welche

sich mit den weiters erfolgenden Auftragen wieder, wie einst schon in Oesterreich, zu

einer eminent nationalen und charaktervollen Erscheinung entwickelt haben würde, zu

keinem Aufschwunge gelangen kann, müssen auch die sogenannte kleine Plastik, die

Statfelei- oder Cabinetsmalerei, allmalig wieder herabsinken, weil ihnen weder vom

Staate, noch vom Publicum irgend eine nennenswerthe Aufmunterung entgegengebracht wird.

ln Anbetracht dieser dermalen herrschenden Zustande auf dem Gebiete der vaterlandischen

 Kunst erhoGt die Künstlerschaft Wiens von dem hohen Hause eine Forderung

in dieser eminenten Culturangelegenheit, an welcher nicht blos Wien und alle Volker

des ganzen Reiches, sondern die ganze gebildete Welt Antheil nimmt und Antheil hat.

Es ist daher die volle Ueberzeugung der österreichischen Künstlerschaft, dass von

der einmal errungenen Hohe, die sie neben jener anderer Culturstaaten einzunehmen

berechtigt ist, nicht herabgestiegen werden dürfe, vielmehr aufwarts gestreht werden

müsse, während aber leider mit dem Aufhören der Staatsauftrlge unausweichlich der

Niedergang unserer dermalen einen so hohen Aufschwung genommenen Künste geradezu

eine beschlossene Thatsache werden müssten

Es beehren sich Einem hohen Herrenhause ehrfurchtsvoll zu zeichnen

für die Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens

Wien , am ao. Janner 1885. Der Ausschuss:

Aug. Schaffer, Vorstand.

Alex. v. Wielernans, Vorstand-Stellvertreter.

W. O. Noltsch, Schriftführer.

Carl Otto Lederer, Cassaverwalter.

Dr. Ernst Bareuther, Hugo Darnaut, Edm. Hellmer,

Joh. Sonnenleiter, Rud. Weyr, Ausschussmitglieder.
            
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