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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 234)

Beilage zu Nr. 234

der

„Mittheilungen des k. k. Oesterreieh. Museumsf

- Herr Louis de Roncheaud publicirt in der eben erwahnten Bibliotheque internationale

 de l'Art eine Arbeit über die uTapisserie des Alterthumsu So zeitgemäß

es ist, sich mit der Webetechnik des Alterthums zu beschäftigen, so ist das neue Werk

Roncheuud's leider nicht mehr erschöpfend. Durch die egyptischen Stoffe, welche das

Oesterr Museum durch Herrn Th. Graf erworben hat, ist ein reiches Material zugewaehsen,

von dem L. Rnnchcnud allerdings noch keine Kenntniss haben konnte, aber auch Prof.

Blnrnnefs Untersuchungen über die Webetechnik sind Herrn L. Ronchcaud unbekannt

geblieben.

l

_ In dem von Herrn Ludwig Wierzbicki in Lemberg 1883 herausgegebenen

Werk wOrnamente der Hausindustrie, ruthenischer Bauern: lernen wir nicht

blus Stickereimuster kennen, sondern auch Arbeiten in Holz und Metall. Herr

Wierzbiclti, dessen Verdienste umdie Hebung der Gewerbe bei den Ruthenen nicht genug hoch

anzuschlagen sind, macht uns mit den Holzschnitzereien eines ruthenischen Bauern Jurlto

Szkryblalt aus Turnßw und seines Sohnes bekannt. der, des Schreibens unkundig, gleichwohl

 in seinen Arbeiten ein seltenes Stylgefühl bekundet. Seine Arbeiten nähern sich ähnlichen

 Arbeiten russischer Provenienz. Auch die Webereien der ruthenischen Bäuerinnen

sind lebhaft in der Farbe, in der Zeichnung originell und stylvoll. Es ist in diesen Blättern

wiederholt aufmerksam gemacht worden, dass unter den Galizien beivohnenden Volksstammen

 die Ruthenen die meiste Kunstbegabung aufzuweisen haben, besonders jene

Stimme, wie die Huzulen, welche die Karparthen bewohnen.

KLEINERE MITTHEILUNGEN.

(GBBOIIGDRG 8.11 dllS Museum.) Die Liebenswürdigkeit der französischen

 Regierung hat durch die Hand des Unterrichtsministers von

Frankreich aus der Pariser Ausstellung des vorigen Jahres dem Oesterr.

Museum ein Geschenk zugewiesen, das seinen Sammlungen höchst willkommen

 ist und uns zu großem Danke verpflichtet. Es besteht in zwölf

verschiedenen Porzellangefäßen der Fabrik von Sevres, welche das Datum

1883 tragen, also von jüngster Fabrication sind.

Sevres-Gefäße, 0b alt oder neu, sind immer ein kostbarer und bei

uns auch seltener Besitz, und wenn eine öffentliche Anstalt nicht gleich

dem South-Kensigton-Museum mit großen Mitteln ausgestattet ist, so

gehört schon ein gewisser Muth dazu, sie anzukaufen. So ist denn die

keramische Sammlung des Oesterr. Museums nicht reich an Arbeiten jener

berühmten Fabrik, wenn auch verwandte Gegenstände französischer Provenienz

 eine stattliche Vitrine füllen. Die besten Stücke verdankt es der

Munificenz seines durchlauchtigsten Protectors, des Erzherzogs Rainer.

Aber dieser neue, so willkommene Gewinn ist nicht blos eine

Bereicherung der Sammlung, er ist auch für Alle, denen es nicht vergönnt

 ist, von Jahr zu Jahr die Fortschritte oder die Bewegungen auf

dem Gebiete der Kunstindustrie in Frankreich zu beobachten, sehr lehrreich.

 Wir wissen, dass die französischen Kunstfreunde mit dem Gange,

den die Sevres-Fabrik in unserem Jahrhunderte genommen hat, sehr

unzufrieden gewesen sind. Die Fabrik war im Anfange des Jahrhunderts

von der weichen Masse zur harten Masse übergegangen und hatte damit

ihre Gefäße wohl geeigneter und solider für den Gebrauch gemacht, aber

x. m. 1835. 27
            
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