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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 234)

im,

auch sich inrer speciellen und so gefeierten künstlerischen Eigenthümlichkeir

 beraubt. Sie hatte die steifen Formen des Empirestyles anstatt

der freien, wohl auch capriciösen, aus der Zeit Ludwig XV. und XVI.

angenommen und dann unter König Louis Philipp ihre Stärke in roßen

forcirten Stücken gesucht, deren einzelne Theile gewöhnlich mit ronze

verbunden und montirt waren. Sie hatte endlich allen Nachdruck auf die

Malerei gelegt, auf die vollkornmenste Ausführung des Bilderschmuckes

und darüber den decorativen Standpunkt, Form und harmonische Erscheinung,

 vernachlässigt.

So sahen wir sie auf der Pariser Weltausstellung von 1867: vom

Standpunkte der Malerei aus ganz vortrefflich, vom Standpunkte der

Decoration und der Technik tadelnswerth in mannigfacher Beziehung.

Während der Bilderschmuck, Gemälden gleich, von Malern ersten Ranges

ausgeführt worden, waren die Formen meist ohne Styl und Charakter

und die technische Ausführung so, dass die Deckel selten passten und

die reichliche Bronzemontirung die Schiefheiten und Ungleichheiten verdecken

 musste.

Dieser Zustand der Dinge rief in den ersten Jahren der französischen

Republik (noch unter Thiers, wenn ich nicht irre) von Staatswegen eine

Enquete hervor, in welcher der berühmte Kunstschriftsteller Charles Blanc

als Referent ein vernichtendes Urtheil über die Fabrik fällte. Man blieb

nicht dabei stehen. Die Fabrik wurde umgewandelt, eine neue Schule für

sie gegründet und neue, mehr decorative, dem Material entsprechende

Kunstprincipien ihr vorgeschrieben. Was wir heute als Geschenk der

französischen Regierung im Oesterr. Museum sehen, ist bereits aus dieser

künstlerischen Umänderung der Fabrik hervorgegangen.

Vor Allem, wenn wir die stattliche Reihe der größeren und kleineren

Gefäße betrachten, macht sich der Eindruck geltend, dass im Gegensatze

zur alten Weise ein Bilderschmuck in Nachahmung von Gemälden gar

nicht mehr vorhanden ist, wenigstens nicht auf unseren Gefäßen. Es ist

in der ganzen farbigen Haltung durchaus decorative Wirkung erstrebt.

Dies gilt selbst von der einzigen Vase, welche in einer Landschaft, die

das ganze Gefäß umzieht, einen bildartigen Schmuck besitzt. Aber diese

Landschaft, ganz vortrefflich ausgeführt, ist in einem sehr eigenthümlichen

Grün en camaieu gehalten, in demselben Grün, welches zugleich den

gesamrnten Grund des Gefäßes bildet und nur in braunen und goldenen

Ornamenten einen Gegensatz erhalten hat. Es ist also ganz auf c0loristische

 Wirkung abgesehen. Eine zweite große Vase, die mit einem

wunderschönen grünlichen Blau grundirt ist, hat zu weiterem Schmucke

einen in weißer päte sur päte, also in leichtem Relief ausgeführten Reif

mit Kinderscenen erhalten, der in Zeichnung und Ausführung gleich reizend

ist. Es ist vielleicht das ansprechendste Stück der ganzen Collection.

Nehmen wir eine kleine Vase mit bläulichen und weißen Blüthen

in chinesischer Art aus, so ist bei allen übrigen Gegenständen das rein

decorative Element das vorherrschende. Bei einem Paar gelben Vasen ist

es lediglich auf die Eigenthümlichkeit der ungewöhnlichen Farbentöne

abgesehen. Bei einer großen Flute-Vase, die mit wolkigem Blau überzogen

 ist, bei einer zweiten in Schwarz mit Gold bestreut, einer dritten,

die blau und grün gesprenkelt, ist es nicht anders. Bronzemontirung, die

vor zwanzig oder dreißig Jahren bei Prachtgefäßen noch unerlässlich war,

findet sich nur bei einer einzigen topfartigen Vase, die nach altchinesischer

Art flarnrnig verziert ist.
            
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