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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 234)

"u

Geruch erklären, der in geschlossenen Zimmern entsteht, selbst wenn

diese nicht bewohnt sind und nur selten betreten, aber auch weder

entsprechend gelüftet noch mit der nöthigen Sorgfalt rein gehalten werden.

Dass eine gehörige Lüftung jedoch mit zur Reinhaltung gehört, da

sie zur Verhinderung obgenannter schädlicher Processe dient. ist eine

anerkannte Thatsache, die allerdings heute hier nicht weiter besprochen

werden kann.

Bei öffentlichen, im Freien aufgestellten Obiecten sind ähnliche

Ursachen maßgebend, die aber durch weit gröbere Eingritfe, wie das

Anhaften von Pferdemist, Vogelexcrementen etc. in ihren schädlichen

Folgewirkungen unterstützt werden.

Durch derartige Vorgänge entsteht nicht selten eine ziemlich bedeu-'

tende Schicht von erdiger Beschaffenheit, die die Bildung einer wirklichen

Vegetationsdecke zu veranlassen vermag, welche zumeist aus Flechten

und Moosen besteht, ja zuweilen selbst höhere Pflanzen enthält.

Bei Erzmonurnenten ist das freilich nur in bescheidenem Maße

möglich, aber bei Objecten aus Stein und Marmor können solche Processe

 die verderblichsten Wirkungen nach sich ziehen.

Die Zerstörung der Oberfläche festen Gesteines durch die auflösende

Wirkung der dasselbe berührenden Wurzeln wurde schon von Liebig

aus dem Vorkommen von Kalksteinstücken geschlossen, deren Oberßäche

mit Wurzeleindriicken bezeichnet war. Sechs hat dann im Jahre 1859

gezeigt, dass Maiswurzeln in kurzer Zeit polirte Marmoroberflächen

corrodiren und bewies später, dass die Wurzeln verschiedener Pflanzen

im Stande sind, binnen wenigen Tagen glatte Flächen von Dolomit,

Magnesit und Osteolith an den Berührungsstellen durch auflösende Wirkung

 zu corrodiren.

ln unserem Falle haben wir es allerdings zunächst blos mit sehr

niederen pflanzlichen Organismen zu thun, allein auch diese vermögen

eine ähnliche Wirkung zu äußern. Tulasne sah die Sporen von Verrucaria

 muralis (Mauer-Vilarzenilechte), auf einem geglätteten Kalksteine

ausgesäet, Wurzeln treiben, die allmälig wuchsen, Querwände erhielten,

sich verzweigten und, zwei bis drei Monate nach der Aussaat, mit einander

 ein ziemlich dichtes Geflecht bildeten. Auf diesem entwickelte sich

nun eine weißliche Schicht runder, vier bis sechs Zehntausendstel Millimeter

 großer Zellchen, fest mit einander und mit den Fäden, von denen

sie erzeugt wurden, verbunden. Bald nachher sah man auf dieser ersten

Lage da und dort Zellchen mit grünem Inhalte erscheinen und man

durfte nicht mehr zweifeln, dass ein neuer Thallus der Verrucaria muralis

aus den zum Versuche dienenden Sporen entstanden sei.

Diese Flechten besitzen ein sehr langsames Wachsthum und

erreichen ein hohes Alter, und viele derselben sind hiebei an eine

bestimmte, theils chemische, theils physikalische BeschaEenheit des Untergruncles

 für ihr Gedeihen gebunden.
            
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