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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 237)

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Die schönsten Porzellanmalereien fanden sich bei der bereits ge- 
nannten Societa Richard in Mailand. Außer schönen Vasen mit japani- 
schem Hitzendecor bilden Imitationen beliebter Gemälde moderner italieni- 
scher Künstler die Specialität dieser Firma. Nach japanischem Muster 
wird oft die Fläche der Schüssel in willkürliche, durch flotte, skizzenhafte 
Darstellungen gefüllte Felder getheilt. Die Decoration dieser Objecte ist 
von echt künstlerischer Freiheit und feinem Geschmack. Geradezu roh 
hingegen ist die Verbindung von Malerei und Plastik auf manchen Zier- 
platten dadurch hergestellt. dass eine Landschaft mit Figur, etwa einer 
Hirtin, gemalt, die den Vordergrund einnehmende Heerde hingegen in 
farbigem Relief gehalten ist. Ein technisches Meisterstück war in einem 
kleinen ovalen Spiegel geliefert, dessen Rahmen Blumen in Porzellan- 
mosaik zieren; am unteren Rande sitzt eine graziöse kleine Nymphe, ihr 
Spiegelbild küssend. A. Mollica in Neapel, der sonst mit seinen engeren 
Landsleuten in Bizarrerie wetteifert (z. B. zwei Vasen in Form großer, 
stacheliger Schnecken) hatte vorzügliche Fayencen mit virtuos gemalten 
Landschaften und Genrescenen in Aquarellmanier ausgestellt, ebenso Frat. 
Mussoni in Savona. Dass diese Firma auch größere Aufgaben zu bewäl- 
tigen im Stande ist, bewiesen zwei große Majolikaportale in reichern Re- 
naissancestyl mit edler Ornamentation und prachtvoller Farbenwirkung. 
Lebendig aufgefasste und gut durchgeführte Genrefiguren in rother 
Terracotta, meist die bekannten Volkstypen in kleineren Dimensionen, 
sind eine Specialität von Leone in Catania und waren auch sonst, z. B. 
bei Castaldi in Turin, zu sehen. Die Terracotta-Industrie zu architekto- 
nischen Zwecken wird namentlich in der Lombardei schwunghaft betrieben. 
Auch hier erreicht das Figürliche, im Gegensatze zum Ornamentalen, oft 
eine künstlerische Höhe. Wenn wir es auch bei diesen Decorationsfiguren 
für Brunnen, Gärten, Landhäuser, wie sie von Boni, Candiani, Righetti 
in Mailand u. A. erzeugt werden, nur mit Fabrikswaare zu thun haben, 
so äußert sich in ihnen das Talent des Italieners für lebensvolle Charak- 
teristik oft ebenso fein, wie in der großen Plastik. 
Indische Bronzen und deren Patina. 
ln der Bronze-Ausstellung des Oesterreich. Museums im Jahre 1883 erregte eine 
hinterindische Ceremonientrommel aus dem Besitze des Herrn Grafen Hans Wilezek 
berechtigte Aufmerksamkeit. Seither hat der Herr Graf ein zweites derartiges Kunstubjeet 
in Arnsterdlm erworben und hierauf beide im Laboratorium fur allg. Chemie an der 
k. lt. technischen Hochschule in Wien nach der Beschaffenheit der Bronze und der 
Pntina untersuchen lassen. Die Ergebnisse dieser von Dr. Alte Arche und Carl Hassack 
im Laboratorium des Reg-Rathes Professur Bauer am Wiener Polytechnicum vorge- 
nommenen Analyse sind in Dingler's polytechn. Journal, Bd. 253 p. 5x4 K. mitgetheilt 
und wir entnehmen der dortigen eingehenden Auseinandersetzung folgende Daten: 
Die erste, in Folgendem rnit A bezeichnete Trommel ist vollständig erhalten; 
ihren unteren Abschluss bildet ein ringförmiger Fuß mit unverletztem Gussrande. Bei 
der zweiten (B) fehlt der Fuß und der untere Rand ist abgefeilt, ferner sind einige schad- 
hafte Stellen mit Bronzeplatten ausgebessert; sonst sind die beiden Instrumente in Form, 
Größe und Zeichnung einander sehr ähnlich.
	        

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