MAK

Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 237)

Kunstwerke aller Art popularisirt, dem Minderbemittelten zugänglich 
macht und selbständig viel Gutes schafft. 
Allerdings werden die photographischen Leistungen nur dann be- 
deutend sein, wenn der Geist der Kunst sie durchweht. Z. B. sind Land- 
schaften, welche von Malern photographisch aufgenommen wurden, nicht 
selten weitaus besser als die Bilder mancher Geschäftsphotographen, 
welche die Aufnahme von dem Punkt aus machen, wo sie eben zufällig 
stehen. Genrebilder photographisch zu componiren ist sehr schwer, weil 
man die Originale (Gesichtsausdruck etc.) nicht genügend vorbereiten 
kann. Dagegen sind photographische Detailstudien für die Landschafts- 
maler etc. von höchstem Werth. Mancher Maler, welcher gerne mit dem 
Fortschritt geht, bringt von seiner Studienreise neben farbigen Skizzen 
oft noch eine prächtige Collection von Baum-, Wolkenstudien u. dgl. mit 
nach Hause. 
Eine kluge Ausnützung der Momentphotographie hat für Thierrnaler 
große Bedeutung und der Architekt vermisst nur schwer die Photogra- 
phien von jenen Baudenkmälern, welche er studiren will. 
Man darf jedoch nicht verkennen, dass allen diesen Personen 
nur jene Photographien den gewünschten Dienst leisten, 
welche sie selbst in zielbewusster Absicht aufnehmen und 
dass sich jene demnach die nothwendigen photographi- 
schen Kenntnisse aneignen müssen. Zu solchen Zwecken sind 
die im Kunsthandel voriindlichen Photographien selten verwendbar und 
der des Photographirens Unkundige muss zur Beschaffung der für seine 
Specialzwecke nöthigen Bilder eine Expedition mit einem Fachphotographen 
unternehmen, was riesige Summen verschlingt. 
Von hervorragender Wichtigkeit ist die Photographie für die Repro- 
ductionsfächer. Die photo-mechanischen Methoden liefern schon jetzt einen 
großen Theil von Zeitschriften- und Buchillustrationen und die Zeit ist 
nicht mehr ferne, wo jede lithographische Anstalt und Holzschneiderei 
die Photographie benutzen wird. Wenn dies jetzt noch nicht allgemein 
der Fall ist und manche photo-mechanische Methode nur langsam einer 
Verbesserung zugeführt wird, und in mehreren Fällen Monopol einer 
Person oder eines einzelnen Landes ist, so liegt der Grund in Folgendem: 
Der Photograph und Chemiker ist selten zugleich Lithograph oder 
Aetzer und müht sich vergeblich ab, mit einem an und für sich guten 
Process eine druckfertige Platte herzustellen, während der manuell 
geschickte Lithograph häufig jeder photographisch-chemischen Bildung 
bar ist und gleichfalls Misserfolge erzielt. 
Die photographischen und heliographischen Methoden verdienen als 
selbständige Zweige die vollste Beachtung und es vollzieht sich eine 
völlige Umwälzung im Illustrationswesen. Damit soll der Werth des 
Kupferstiches und Holzschnittes nicht geschmälert werden, ja die Photo-
	        

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