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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 238)

JA;

hervorragenden Persönlichkeiten beider Parteien einander in seinen Bildern

sehr ähnlich sahen, wie denn derselbe Holzschnitt einmal den Prinzen

Ruprecht von der Pfalz und einmal den Herzog von Newcastle vorstellen

 musste.

Indessen haben wir es bei dem Mercur und ähnlichen periodischen

Unternehmungen doch eigentlich nur mit Folgen von Flugblättern zu

schaffen und die wirklichen illustrirten Zeitungen sind, wie dargethan

wurde, eine Schöpfung unseres Jahrhunderts.

lllustriren will also seit vierzig Jahren sagen: in den gedruckten

Text unmittelbar Abbildungen einschalten. Dafür eignet oder vielmehr

eignete sich bis vor Kurzem nur ein graphisches Verfahren, das einzige,

welches eine Zeichnung auf der zum Abdrucke bestimmten Platte nicht

vertieft herstellt, wie der Kupferstich und die verwandten Arten der

Technik, sondern erhaben, wie das Buchstabenbild der Lettern: der

Holzschnitt. Daher fällt die Geschichte der Buchillustration im Wesentlichen

 mit der Geschichte des Holzschnittes zusammen. Beide blühen

im XV. und XVl. Jahrhundert, beginnen im folgenden zu welken, sterben

ab, werden gegen Ende des XVIll. Jahrhunderts neuerdings angebaut

und entwickeln sich im laufenden in bis dahin unerhörter Ueppigkeit.

Nun aber stehen wir an einem neuen Wendepunkte: das Schicksal

beider, Vdes Holzschnittes und der Illustration, ist nicht mehr mit einander

 verkettet.

Vor Zeiten wandte sich die Mode vom Holzschnitte ab und dem

Kupferstich in seinen verschiedenen Manieren: ßrabstichelmanier, Radirung,

 Aquatinta, Schabkunst u. s. w., zu; wollte man aber Stiche in

den Text selbst einfügen, so musste entweder der Druckbogen zweimal

durch die Presse gehen, einmal dem Buchdrucker, einmal dem Kupferdrucker

 unter die Hände kommen, oder es mussten die einzeln abgedruckten

 Stiche auf die zu dem Ende freigelassenen Stellen im Textdrucke

 geklebt werden -- umständliche und kostspielige Proceduren, die

nur selten zur Anwendung kamen. Nunmehr ermöglichen die Fortschritte

der Photomechanik die Erhaltung des lllustrationswesens mit Umgehung

des Holzschnittes und scheinen dem letzteren als Industrie an das Leben

gehen zu wollen.

Aber ich greife vor. Wollen wir das Illustrationswesen in seinem

geschichtlichen Zusammenhange betrachten, so dürfen wir uns nicht auf

das Specialgebiet beschränken, welches der heutige Sprachgebrauch unter

dem Worte begreift. Denn den Büchern mit Holzschnitten sind ja die

Bilderhandschriften vorausgegangen - um wie viele Jahrtausende, das

wird schwerlich je festgestellt werden. Aller Wahrscheinlichkeit nach

sind Schreib- und Zeichenkunst von jeher Hand in Hand gegangen,

häufig von einer Hand ausgeübt worden. ln Aegypten erklärt sich dies

am leichtesten, wo ja Bild und Schriftzeichen zum Theile in einander

flossen. Und in der That glauben wir, in Papyrus-Handschriften schon
            
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